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Gedenktafel für die "Schüler-Musik-Capelle" (SMC)

Im Eingangsbereich zum Haus 11 wurde auf Bitte des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen durch dir Koordinatorin des Musikzweiges der Latina, Frau Seidel, eine Gedenktafel für einen der bedeutsamsten ehemaligen Schülervereine der Stiftungen angebracht. Die Tafel wurde vom halleschen Graphiker Prof. Petzold gestaltet. Sie enthält ein Foto der SMC von 1926 und den Schriftsatz:

Zur Erinnerung an die
Schülermusik-Kapelle (SMC)
in den Franckeschen Stiftungen
1881-1936

Aus der Geschichte der SMC:
Als im Mai 1880 der Lehrer an der Latina Dr. Peter Wehrmann das später nach ihm benannte Freikorps ins Leben rief, waren für die militärischen Übungen "Hornisten und Spielleute" nötig. Am Anfang stand ein "Trommelchor", der von einem Sergeanten der halleschen 36er unterrichtet wurde. Die 19 Trommler (und Pfeifer) genügten bald nicht mehr. Mit Förderung durch den damaligen Stiftungsdirektor Frick wurden Instrumente beschafft, und 13 Schüler unter Leitung eines Musikers vom Füsilierregiment übten so fleißig, dass bald an jedem Sonntagmorgen vom Altan des Hauptgebäudes Choräle geblasen werden konnten. Die Mitglieder dieser Kapelle erhielten grüne Mützen. Anlässlich eines Auftritts bei einer Parade am 3.8.81 verselbstständigte sich die bisher zum Schülerbataillon gehörende Kapelle unter der Bezeichnung "Schüler-Musik-Capelle". Daher stammt die Kurzbezeichnung SMC.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich die SMC zu einem wichtigen Bestandteil im Leben der Franckeschen Stiftungen und später auch der Stadt Halle. Zu den Sonntagschorälen kam das traditionelle Geburtstagsständchen für den Stiftungsdirektor, das große Sommerfest mit dem STV Friesen, die Mitwirkung im Hausorchester der Pensionsanstalt und bei den Missionsfesten sowie den Mitteldeutschen Schülerkampfspielen. Zu einer bedeutsamen Tradition entwickelte sich die Begleitung der Abiturienten der beiden höheren Stiftungsschulen zum Denkmal und das Blasen des Chorals "Nun danket alle Gott".
Der Verein gab sich 1883 eine eigene Satzung, aus der sich die Anlehnung an den Aufbau studentischer Verbindungen ergab. Leiter, "der erste x", war der 1. Chargierte, der 2. (xx) war Fuchsmajor, der dritte (xxx) war Chronist und Kassenwart. 1900 wurde derAltherrenverband gegründet. Ein Jahr später erhielt die SMC im Waisengarten einen kleinen Bereich, "die Plätze".
Die Vereinsmitglieder trafen sich jeden Tag nach dem Unterricht und zweimal wöchentlich zusätzlich am Nachmittag zu ihren Übungen, die in der Turnhalle III, dem "Kuhstall", stattfanden.
Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verlief die Entwicklung kontinuierlich, dann wurde zusätzlcih zu kriegerischen Ereignissen geblasen, einige Kapellisten waren eingezogen. Konzerte, gemeinsam mit dem Hausorchester der PA lockten 600 Zuhörer in das Thalia-Theater. Den 20 Gefallenen der SMC setzte letzterer ein Denkmal das vermutlich im Waisengarten vergraben wurde.
1933 versuchte die Hitler-Jugend, stärkeren Einfluss auf den Verein auszuüben, indem ein HJ-Führer als Leiter bestimmt wurde. Heftiger Widerstand innerhalb der Vereinsmitglieder und sinkendes Niveau führten bald wieder zu neuer Selbstständigkeit des Vereins. 1936 erfolgte ein allgemeines Verbot aller Schülervereine in Deutschland. Die Tradition in der SMC und im STV Friesen erwies sich aber als so stark, dass es 1938 zu einer stillschweigenden Duldung beider Schülereinrichtung durch die HJ kam, allerdings unter Verzicht auf das eigentliche Vereinswesen. So turnten die Frieden als Turnriege weiter, und Musik erklamg nun von der Musikkapelle oder kurz Kapelle. Der zweite Weltkrieg brachte das Musiklebenfast zum Erliegen, öffentliche Veranstaltungen fanden zum Teil vor den verwundeten Soldaten im Reservelazarett statt, das in der Oberrealschule untergebracht war.
Am Tage der Wiederaufnahme des Unterrichtes, am 1.10.1945, hatten die übriggebliebenen Kapellisten ihre erste Zusammenkunft. Bald erklangen wieder die Choräle vom Altan und sogar im Gottesdienst der St. Georgenkirche, bis 1947 das Choralblasen offiziell verboten wurde. Das Verbot wurde nicht sehr ernst genommen, der Dankchoral erklang weiterhin am Denkmal, und zu Franckes Geburtstag 1947 kam noch "Großer Gott, wir loben Dich" dazu. Noch im Winter 1947/48 im Gottesdienst der Georgenkirche und bei Advents- und Weihnachtsfeiern erklangen weiterhin kirchliche Weisen.
Die letzten Auftritte des Chores waren 1949 das Geburtstagsständchen für meinen Vater am 10. Juni, der Dankchoral und "Gaudeamus igitur" zum Abitur am Denkmal und ein Auftritt bei einer Zusammenkunft der Schülervertretungen in Wendgraben.
Noch 1984 unternahmen Alte Herren der SMC den Versuch einer Neugründung an der August-Hermann-Francke-Schule in Gießen, der sie vier Instrumente und zwei Notenständer schenkten. Eine neue SMC entstand nicht, weil "der dazu nötige Geist nicht vorhanden ist", wie mir einer der gescheiterten Neugründer (Zedlitz) 1991 schrieb.

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