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1. Gesundheitswissen im Familienalltag
Familien in Halle können ein weites Netz von familienfreundlichen Einrichtungen, Orten und Angeboten nutzen. Bereits nach der Geburt eines Kindes erhalten die jungen Eltern zahlreiche Informationen über familienfreundliche Leistungen und Einrichtungen in ihrer Stadt. Freizeit, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder gehören ebenso wie Beratungsstellen und Familienbildungsstätten zum gewohnten Bild der Stadt.
Wenn ein Kind einmal krank wird, können Eltern in Halle auf den Kinderarzt ihrer Wahl und eine ganze Reihe weiterer Spezialisten zurückgreifen. Die Angebote reichen beispielsweise im Universitätsklinikum Halle von der Schrei-, Schlaf- und Füttersprechstunde bis zur Beratung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas.
Geht man durch die Straßen, kann man nichts Außergewöhnliches an halleschen Kindern und Jugendlichen feststellen, was eine Einrichtung mit dem Schwerpunkt Gesundheitsförderung in Halle dringend notwendig mache. Spricht man aber mit den Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern oder Pädiatern in Halle, zeigt sich ein anderes Bild: sie berichten von einseitiger Ernährung, unzureichenden Gelegenheiten zum Bewegen und Herumtoben, dem übermäßigen Fernsehkonsum, wenig anregenden Spielen und fehlender Zuneigung im Alltag der Familien, Vernachlässigung der Kinder, Bildungsarmut und Gewalt in Familien.
So bestätigt der Gesundheitsbericht der Stadt Halle (Saale) 2005, dass es um die Gesundheit bei vielen Kindern und Jugendlichen in Halle nicht gut steht. "Die Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass die meisten der Vorschulkinder gesund und altersgemäß entwickelt sind, jedoch nicht wenige von ihnen Gesundheitsstörungen oder Entwicklungsdefizite vor allem auch psychische Störungen in den Leistungs-, Wahrnehmungs-, Gefühls- und weiteren Entwicklungsbereichen aufweisen, die das Wohlbefinden und auch den Schulerfolg und das Sozialverhalten über Jahre nachhaltig negativ beeinflussen können. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen haben Kinder heute motorische Defizite mit steigender Tendenz. Bewegungsarmut und Ernährungsfehlverhalten führen schon im Kindesalter zu Übergewicht und gelegentlich zur Diabeteserkrankung." (Gesundheitsbericht der Stadt Halle (Saale) 2005, S. 21) Essstörungen, Bewegungsmangel und psychische Störungen bei jungen Menschen sind ernsthafte Probleme nicht nur in Halle, bundesweit sind bis zu 15/20% der Kinder und Jugendlichen betroffen. Familien müssen also über Kompetenzen in den Bereichen Pflege, Versorgung, Zuwendung, Ernährung, Bewegung, Aufklärung etc. verfügen, damit ihre Kinder gesund aufwachsen können. Die Familie sorgt(e) in der Regel für die Entwicklung dieser Kompetenzen bei den nachfolgenden Generationen. Sie ist auch "der früheste und aussichtsreichste Ort, wo Fehlentwicklungen erkannt und gesundheitsrelevante Verhaltensweisen entwickelt werden können." (Gesundheitsbericht der Stadt Halle (Saale) 2005,S.21 ).
Wie die Zahlen des Gesundheitsamtes belegen, verfügen aber zunehmend mehr Familien in Halle nicht über notwendiges Gesundheitswissen und die Strategien zur Umsetzung. Kindertageseinrichtungen, Schulen etc. könn(t)en den Kompetenzerwerb bei den Familien unterstützen und insbesondere auf ein gesundheitsförderndes Verhalten der jungen Menschen Einfluss nehmen. Erzieher sind aber oft nur unzureichend in diesem Bereich ausgebildet und mit den Problem lagen überfordert oder wie im Bereich des Sports, rein körperlich nicht (mehr) in der Lage, adäquate Angebote zu machen. Auch die Schule - das Thema Gesundheit im Unterricht wird immer wieder diskutiert - ist hier gefordert. Es bestehen zum Teil massive Probleme in den Bereichen körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Konsumverhalten (Medien, Alkohol, Zigaretten, Drogen ...) und Sozialverhalten von der Einschulung bis zum Abitur, die allein durch Unterricht nicht beantwortet werden können.
Da sich die gesellschaftlichen Veränderungen in den Bereichen Arbeit und Freizeit auch direkt auf die Familien auswirken, brauchen Familien Gelegenheiten, sich Gesundheitswissen anzueignen und dieses Wissen weiterzugeben.
2. Das Familienkompetenzzentrum für Bildung und Gesundheit der Franckeschen Stiftungen zu Halle
Die Franckeschen Stiftungen werden als kulturelle Einrichtung von Bund und Land gefördert. Seit 1998 sind sie darüber hinaus auch Träger der freien Jugendhilfe in der Stadt Halle (Saale), haben drei Kindertageseinrichtungen in ihre Trägerschaft übernommen, dafür neue Gebäude errichtet und saniert, den Grundschulhort für die Schüler der städtischen Grundschule aufgebaut, das Kinderkreativzentrum Krokoseum im Historischen Waisenhaus für Kinder eingerichtet, die Montessori-Gesellschaft Halle beim Aufbau der Ganztagsgrundschule in den Stiftungen unterstützt und 2005 das Familienkompetenzzentrum für Bildung und Gesundheit begründet. So tragen die Stiftungen heute für mehr als 600 Kinder mit deren Familien einen Teil der Verantwortung zum gesunden Aufwachsen. Diese Aktivitäten beruhen auf der satzungsmäßigen Verpflichtung der Franckeschen Stiftungen, das Erbe August Hermann Franckes und seiner Nachfolger zu erhalten. Dazu gehört vor allem auch die Sorge um die nachwachsenden Generationen.
Bereits vor über 300 Jahren legte August Hermann Francke viel Wert auf das gesunde Aufwachsen seiner Schüler und stellte so die Weichen für deren Bildungserfolg in der Schule, im Beruf und in der Familie, zur Weitergabe von Werten und Traditionen und für den Zusammenhalt der Generationen. Dieser Tradition sehen sich die Stiftungen verpflichtet. Die Franckeschen Stiftungen haben sich aufgrund ihrer christlichen Tradition ein großes Ziel gesetzt: den Aufbau einer neuen sozialpädagogischen Einrichtung mit dem Schwerpunkt "Gesundheitsförderung" im Haus der Generationen. Ideell und materiell erhalten die Stiftungen gerade für dieses soziale Projekt von ihrem Freundeskreis großzügige Unterstützung. Zwischen 2005 und 2008 haben die Mitglieder die finanziellen Mittel - ein sechsstelliger €-Betrag - für den Ausbau gesammelt und nun zur Verfügung gestellt.
So werden im Frühjahr/Sommer 2009 die Bauarbeiten des dritten und letzten Bauabschnitts im Haus der Generationen abgeschlossen sein.
Mit dem Familienkompetenzzentrum für Bildung und Gesundheit sollen Familien in Halle und die Einrichtungen, die mit ihnen arbeiten, insbesondere in ihren gesundheitsbezogenen Kompetenzen gestärkt werden. Es werden Angebote geschaffen, die es ermöglichen, mit anderen in Kontakt und Austausch zu treten und sich mit dem Thema ganzheitlich auseinander zu setzen. Insbesondere durch Angebote zum Mitmachen und zur Geselligkeit werden auch sogenannte bildungsferne Familien angesprochen. Das Familienkompetenzzentrum macht den Familien und den Einrichtungen in Halle Angebote im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention.
Das Familienkompetenzzentrum hat seine Arbeit in provisorischen Räumlichkeiten 2005 begonnen. Es hat im Monatsdurchschnitt folgende Besucherkontakte:
im Aktionsbereich ca. 1.200 Personen,
im Beratungsbereich ca. 200 Personen,
zu Vorträgen und Gesprächsrunden ca. 50-70 Personen. Im ersten Halbjahr 2008 nahmen ca. 8.700 Personen die Angebote in Anspruch. Man kann davon ausgehen, dass nach dem Umzug in dauerhaften, zweckmäßig eingerichteten Räumlichkeiten die Angebote des Zentrums noch stärkeren Zuspruch finden werden. Zum Familienkompetenzzentrum gehören folgende Bausteine:
Servicebüro
Das Servicebüro koordiniert als Schaltzentrale der Einrichtung bereits seit 2006 alle Aufgaben im Tagesverlauf, beantwortet Anfragen und vermittelt das Angebot des Familienkompetenzzentrums. Hier finden Erstberatungen für Familien in allen Lebenslagen und Vermittlung zu Experten statt (aktuelle Beispiele: gesundheitliche Fragen, Mobbing unter Schülern, finanzielle Probleme etc.). Außerdem gibt es eine juristische Erstberatung bei Fragen zum Familienrecht (Ehrenamt, Familienrechtier),
Familienetage
Das Herz der Einrichtung bildet nach der Eröffnung das Familiencafe in der Familienetage, einem Ort der Begegnung und der Geselligkeit. Neben den gesundheitsbezogenen Aktivitäten im Cafe für Familien werden hier auch themenbezogene Freizeitaktivitäten mit dem Schwerpunkt Ernährung und Entspannung für Kinder und Jugendliche insbesondere für Familien mit Kleinkindern und für Kinder ab 12 Jahren angeboten. Schulklassen können das Programm je nach Interessenlage und auf den laufenden Unterricht bezogen am Vormittag nutzen. Am späten Nachmittag werden begleitete Gruppenaktivitäten Kindern, Jugendlichen und Familien angeboten. Vorträge zu Gesundheitsthemen ergänzen das Programm am Abend im angeschlossenen Seminarraum.
Sportbüro
Vom Sportbüro werden verschiedene Bewegungs- und Entspannungsangebote in Form von Kursen organisiert. Hier werden angeboten: Kindersportclub (Turnen, Sportspiele, Klettern, Tanzen und Gymnastik von ca. zwei bis sieben Jahre), Ballschule-Halle (für Vor- und Grundschulkinder), Volleyball für Freizeitsportler, Fitness- und Wirbelsäulengymnastik, Pilates, Yoga, Nordic Walking, Entspannungskurse (PMR), individuelle Seniorensportkurse. In der Testphase befinden sich derzeit sportliche Kindergeburtstage, sportliche Familiennachmittage und ein gesundheitsförderndes Ferienprogramm für Schüler aus Halle. Spezielle Präventionskurse, an denen sich die Krankenkassen finanziell beteiligen, werden bisher zweimal jährlich organisiert und stehen allen Hallensern offen. Seit September 2008 ist das "ABC des Spielens - Ballschule Halle" neu im Programm. Die Ballschule ist ein vielseitiges, bundesweit verbreitetes und prämiertes Konzept für Kinder von ca. vier bis zwölf Jahren. Darüber hinaus kooperieren die Stiftungen mit den Sportwissenschaftlern der Martin-Luther-Universität im Bereich der Datenerhebung und -auswertung. Dadurch sollen die Sportangebote stets auf die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet bleiben.
3. Das "Ambulatorium" im Familienkompetenzzentrum
Hier werden Kinder, Jugendliche und Familien gesundheitsbezogene Beratungs-, Informations- und "Mitmachangebote" finden. Von hier aus werden die Schnittstellen zu Beratungsstellen, Familienbildungsstätten, Fachärzten, Krankenkassen; Ämtern etc. bedient. Darüber hinaus können hier in Zukunft die Untersuchungen des Gesundheitsamtes der Schülerinnen und Schüler unter optimalen Bedingungen stattfinden. Dafür werden derzeit Kooperationen mit halleschen Schulen vorbereitet. Neben den Untersuchungen erleben die Schülerinnen und Schüler einen gesundheitsbezogenen Unterricht. Sie erfahren viel über den eigenen Körper, die Vorgänge im Inneren oder die Zubereitung von Lebensmitteln.
Das Ambulatorium bildet so den Kern der Gesundheitsbildung innerhalb der Stiftungen. Konkrete Angebote, vom "niedrigschwelligen" Elterncafe, über Beratungsangebote in Sachen Gesundheit, bis zu Vorträgen und Fortbildungsveranstaltungen, werden hier platziert.
. Kochveranstaltungen
. Ernährungsberatung
. Vortragsreihe in Kooperation mit der Apothekenvereinigung "Curadies"
. Ambulante Patientenbegleitung (Ehrenamt)
. Familienbibliothek mit dem Bereich Natur und Gesundheit
. Familienpaten als "Ansprechpartner, Vertrauensperson und Begleiter" junger Familien
. Gesundheitsprogramm für Kindertageseinrichtungen . Gesundheitsunterricht für Schulklassen.
Auch die Vermittlung und Betreuung von Familienpaten gehört in den Bereich des Ambulatoriums. Dieses Projekt wird seit Herbst 2008 in Kooperation mit der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Halle unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Dieter Körholz und durch die Förderung des Ministeriums für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt in Halle derzeit umgesetzt, Hier werden ehrenamtliche Familienpaten für die Patenschaft vorbereitet, vermittelt und betreut. Die Paten sollen die Familien mit kleinen Kindern über einen längeren Zeitraum betreuen, sie im Alltag unterstützen, bei Behördengängen begleiten und den Eltern bei der Versorgung und Pflege der Kinder mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dieses Modellprojekt ist Teil der Initiative des Landes Sachsen-Anhalt zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdung in den ersten Lebensjahren.
Prof. Dr. med. R. Toellner Vizepräsident des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen
Kloster Amelungsborn, Kantorey 97/D 37643 Negenborn
Helfen Sie mit Ihrer Spende, das Familienkompetenzzentrum einzurichten!
(Spendenkonto des Freundeskreises 750067100, Dresdner Bank Halle, BLZ 800 800 00)
und/oder unterstützen Sie uns durch aktives Mittun, zum Beispiel:
. Halten Sie Vorlesungen für Jung und Alt.
. Fördern Sie Schülerinnen und Schüler durch Aufgabenhilfe.
. Helfen Sie jungen Familien und älteren Menschen.
. Unterstützen Sie ausländische Mitbürger bei der Integration.
. Reparieren Sie gemeinsam mit Kindern Fahrräder.
. Trainieren Sie Sportgruppen in den Sporträumen.
. Unterstützen Sie Jugendliche bei der Ausbildungssuche.
. Gestalten Sie mit Kindern und Senioren den Lehrgarten.
. Bauen Sie mit uns die Familienbibliothek weiter aus.
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1) Beitrag entnommen aus: Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 5/2009
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