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Neue Gedenkbäume

Auf Vorschlag der Arbeitsgruppe "Ehemalige Lehrer und Schüler der Franckeschen Stiftungen" wurden im Rahmen der Francke-Feier 2007 für zwei ehemalige Schüler der Latina Gedenkbäume auf dem Loreleyhof gepflanzt. Die beiden Birken sollen an Siegbert Bauchwitz und Josef Kahlberg erinnern. Die Gedenkansprache hielt Herr Hildebrandt, Lehrer am Landesgymnasium Latina.

Siegbert Bauchwitz

wurde am 22. 9. 1920 in Halle, wo sein Vater einen Textilgroßhandel betrieb, geboren. Er besuchte zuerst das Stadtgymnasium, wechselte aber 1937 an die Latina. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 musste er, wie alle jüdischen Schüler, das Gymnasium verlassen. Kurze Zeit später wurde er zusammen mit seinem Vater in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Im Januar 1939 konnte seine Mutter beide freikaufen. Im April 1939 gelang Siegbert und ein Jahr später auch seiner jüngeren Schwester die Flucht über Italien nach Palästina. In Haifa besuchte er die Technische Universität und arbeitete nach Kriegsende beim Aufbau des Abadanölfeldes im Iran. Dann emigrierte er in die USA und besuchte die Columbia-Universität in Akron, Ohio Nach Erlangen des Doktorgrades an der Universität von Chicago stellte ihn die Firma DuPont in Louisville, Kentucky, ein. An der Universität von Delaware war er als Gastprofessor für deutsche Sprache und Kultur tätig, anfangs nebenamtlich und nach seinem Ausscheiden aus der Firma DuPont ausschließlich. Er starb an seinem 82. Geburtstag.
Nach dem Krieg hatte er seinen alten Schuldirektor Dorn von der Latina, der sich sehr mutig für ihn eingesetzt hatte, materiell unterstützt. Siegberts Eltern wurden 1943 in das Vernichtungslager Sobibor in Polen deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden.

Josef Kahlberg

wurde am 23. 12. 1917 in Halle als Sohn des Rabbiners Dr. Albert Abraham Kahlberg geboren. Schon nach drei Jahren Volksschule wurde er Ostern 1927 in die Latina der Franckeschen Stiftungen aufgenommen. Nach eigenen Worten hat er sich hier wohlgefühlt. Auch nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten war er in seiner Klassengemeinschaft voll integriert und hatte viele Freunde. Im März 1936 bestand Josef Kahlberg das Abitur mit "Gut".
Da jüdische Schüler in Deutschland nicht mehr studieren durften, schickten ihn seine Eltern nach Italien, wo er in Rom sein Studium begann. 1938 verwiesen auch die Italiener alle Juden der Universität. Josef ging nach Mailand und arbeitete im Hilfskomitee für Flüchtlinge. 1939 zog er zu seinen nach Schweden emigrierten Eltern. Nach der Proklamation des Staates Israel 1948 wanderte Josef Kahlberg nach dort in den Kibbuz Naot Mordechai im äußersten Norden des Landes aus. Dort hatte er verschiedene Funktionen inne.
Von 1989 an weilte er wiederholt in seiner Heimatstadt Halle. Hier nahm er auch Kontakt zu seiner ehemaligen Schule auf und setzte sich immer wieder für eine Versöhnung zwischen Deutschen und Juden ein. Am 14. 7. 2006 verstarb Josef Kahlberg nach kurzer schwerer Krankheit und wurde in Naot Mordechai begraben.

o.: K. Wiemann, S. Küsel
l.n.r.: Baum F, J, Kahlberg
Baum f. S. Bauchwitz
Ansprache Herr Hildebrandt
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