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Petra Klausnitzer, Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Petra Klausnitzer, Silke Viehmann (Informationszentrum im Francke-Wohnhaus) Petra Klausnitzer, Silke ViehmannInformationszentrum im Francke-Wohnhaus Tel.+49 345 2127450

Daten

Termin: 15.05.2014, 17:00 Uhr
Kosten: kostenfrei

alle Daten zur Veranstaltung

Beschreibung

Präsentation der Highlights aus dem Antrag der Franckeschen Stiftungen um Aufnahme in das UNESCO-Welterbe: Spezialführungen, Musik und Gartenlokal im Lindenhof

Mitten in Halle könnte es ab 2016 eine Welterbe-Stätte geben, wenn dann in Paris über die Aufnahme der Franckeschen Stiftungen in das UNESCO-Welterbe entschieden wird. Die Arbeit am Antrag hat sich bereits schon jetzt gelohnt. Am 15. Mai waren die Fachgutachter zu Gast, die im Zuge ihrer Recherchen ganz neue Erkenntnisse und Entdeckungen gemacht haben, die den Blick auf das Architekturensemble der Schulstadt Franckes  um spannende Aspekte bereichern. Die Spezialisten präsentierten in exklusiven Führungen den Bürgern der Stadt Halle an diesem Abend erstmals ihre Erkenntnisse über die einzigartige Bau- und Architekturgeschichte der Stiftungen, gesellig umrahmt mit Musik im Gartenlokal im Lindenhof.

Die Führungen des Welterbe-Abends

Dr. Meinrad von Engelberg (Darmstadt): "Vermeinte Kostbarkeit" oder: Wie man ein Waisenhausgebäude lesen kann.

Für Hallenser ist das Waisenhaus weitgehend unsichtbar - weil es so bekannt ist: Zwar unübersehbar aufgrund seiner Lage im Stadtbild, aber zugleich auch überaus vertraut und auf den ersten Blick (abgesehen von seiner schieren Größe) für eine Welterbestätte nicht gerade besonders auffällig, wenn man an "Konkurrenten" wie Kloster Melk, die Würzburger Residenz oder den Burgberg von Quedlinburg denkt. Dieser Eindruck täuscht! Durch eine sorgfältige Analyse vor allem der Hauptfassade lässt sich zeigen, wie absichtsvoll und präzise die scheinbare Bescheidenheit und demonstrative Schmucklosigkeit dieses Gebäudes architektonisch inszeniert wurde: Ein Meisterwerk des subtilen Understatements, das umso deutlicher zu den Betrachtenden spricht, wenn man es in den Kontext der Architekturrethorik seiner Entstehungszeit stellt.

Dr. Thomas Eißing (Bamberg): Ästhetik und Technologie: Das Mansarddach über dem Waisenhaus und das singuläre „Lange Haus“.
Dem Baumaterial Holz kommt in der ersten Phase des Ausbaus der Glauchaer Anstalten eine große Bedeutung zu. Nur durch die konsequente Anwendung der Holzgerüstbauweise konnten die erheblichen Baumassen in den kurzen Zeiträumen hergestellt werden. Auch wenn vordergründig der Holzbau schon von Francke als günstige und zweckdienliche Bauweise kommuniziert wurde, zeigt sich doch im Detail der Bauausführung, in den Proportionen und insbesondere bei den Dächern, das nicht die im 17./18. in Halle üblichen Standards aufgegriffen, sondern zum Teil modernste Gestaltungselemente wie das Mansarddach oder die Fachwerkrasterfassade entwickelt wurden. So entstand zusammen mit der Hofgeometrie ein einzigartiges Bauensemble. Ziel des Rundganges ist, diese Besonderheiten der Öffentlichkeit deutlich zu machen.

Dr. Sabine Heiser (Berlin): Antikes Ideal und Salomonischer Tempel: Die Franckeschen Stiftungen als Modell.
Francke griff gezielt die antiken Architekturkategorien der firmitas (Festigkeit) und der utilitas (Nützlichkeit) auf. Er bestritt aber ausdrücklich, dass bei seinem Waisenhaus Bauluxus betrieben worden sei – von venustas (Schönheit) könne keine Rede sein. Prinzipiell aber sah Francke die Gestalt seiner Bauten durch die Providentia, die göttliche Vorsehung, entstehen. Zum Ausdruck kam dies u.a. in der berühmten Wunderkammer der Stiftungen: Hier stand ein opulentes Modell des Salomonischen Tempels und ein Modell des Waisenhauses. Architektur wird so anschaulich und vermittelbar. Diese vielfältigen Bezüge werden in der Führung erläutert und die Stiftungen so als Modell in „lebensgroßem“ Maßstab erlebbar.

Prof. Dr. Johannes Süßmann (Paderborn): Die Macht der Architektur: Gemeinschaftsbildung und Weltverbesserung durch die Bauten der Franckeschen Stiftungen.
Bauten wirken. Sie machen etwas mit ihren Nutzern und Betrachtern, bestimmen Eindrücke, lenken Handlungen – dadurch können sie Gemeinschaften nach innen festigen und ihnen nach außen, gegenüber ihrem Umfeld, starke Ausstrahlung verleihen. Welche Wirkmacht den Bauten der Franckeschen Stiftungen eingeschrieben ist, soll in der Führung an ausgewählten Beispielen gezeigt werden.

Daten zur Veranstaltung

Einrichtung: Informationszentrum der Franckeschen Stiftungen | zur Einrichtung
Termin:
Ort: Haus 1 - Historisches Waisenhaus (Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle (Saale)) | im interaktiven Lageplan anzeigen
Art der Veranstaltung: Führung
  Vortrag / Gespräch
Kosten: kostenfrei

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