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Sommer im Museum!

Eine Weltreise durch die Franckeschen Stiftungen

Im Sommer wird die Schulstadt August Hermann Franckes zu einer Oase mit schattigen Plätzen und lauschigen Bänken im Lindenhof und kleinen Parkanlagen. Im Pflanzgarten können auf liebevoll gehegten Beeten, wo Kräuter und Gewächse bestimmt werden. Mit überraschender Lektüre lockt die Freiluftbibliothek am Freisitz des Spielehauses an der „Großen Scheune“, denn hier befindet sich eine der offiziellen Bookcrossing-Zonen der internationalen Community. Das Spielehaus bietet zudem ein kleines feines Sortiment an Getränken an und natürlich kann man sich hier auch mit zahlreichen Brett- und Würfelspielen bis in den lauen Sommerabend hinein die Zeit vertreiben.
Kinder bis 12 Jahre sind Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr zum „Kinderkunstsommer für Sparfüchse, Wertschöpfer und Traumtänzer“ ins Krokoseum eingeladen (Anmeldung erforderlich!).

Wer die Sehenswürdigkeiten und Sonderausstellungen der Franckeschen Stiftungen besuchen möchte, dem bietet sich im Juli und August die Gelegenheit, mit einer Eintrittskarte gleich zwei Mal die Stiftungen zu erkunden.

Wir laden Sie zudem in diesem Sommer ein, bei einem Besuch in den Franckeschen Stiftungen eine kleine Reise um die Welt zu unternehmen. Am 9. Juli, am Jahrestag der Ankunft der beiden Missionare Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich Plütschau in Indien, starten wir eine Tour um die Welt in unseren Ausstellungen und Sammlungen.

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Kunst- und Naturalienkammer

Georg Wilhelm Stellers (1709-1746) Beschreibung vom Lande Kamtschatka

Erdglobus vor der Armillarsphäre_Klaus E  August Hermann Francke baute vielfältige Beziehungen nach Russland auf. Seine Mitarbeiter gingen nach St. Petersburg, Moskau und nach Sibirien. Dort wirkten sie als Mediziner, Hauslehrer, Pastoren und Beamte. Hallesche Wissenschaftler, wie der Francke-Schüler Georg Wilhelm Steller, nahmen an Expeditionen teil, die der Erkundung der „fremden“ Landstriche und Kulturen galten. Im Jahr 1740 trafen Steller und seine Begleiter nach einer mehrwöchigen Schiffsreise auf der Halbinsel Kamtschatka ein. Sie zeichneten ihre geographischen, naturkundlichen und ethnologischen Beobachtungen auf und kartographierten das Land. Steller bereiste im Winter 1740/41 den Südteil der Halbinsel Kamtschatka, wo er das Leben der Ureinwohner, u.a. der Itelmenen studierte.

„Auf den Fußsteigen der Itelmenen ist dergestalt beschwerlich zu gehen, daß man kaum einige Werste avanciret, so hat man sich schon um die Knöchel wund gestoßen: ihre Wege sind nicht über 8 Zoll breit, dabei dergestalt tief, und ausgetreten, daß man darinnen als in einem engen Kanal gehet. Und dieses aus zwei Ursachen, einmal so halten sie es vor eine große Sünde sowohl im Sommer als Winter einen andern Weg zu gehen, als welchen ihre Voreltern gegangen, sollten sie auch einen hundertmal bessern und nähern wissen. 2) So setzen sie die Füße so wunderlich im Gehen, daß allezeit beide Fußstapfen im Gehen in einer Linie zu stehen kommen, welches ich als etwas besonderes an dieser Nation regardiret.“

aus: Georg Wilhelm Steller: Beschreibung vom Lande Kamtschatka. Stuttgart 1974

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Kunst- und Naturalienkammer

Eine Seereise von London nach Cudelur

Schiffsmodell_klein  Mit Segelschiffen dieser Art reisten reisten hallesche Emissäre in die entferntesten Winkel der Welt. Oft führte der Weg nur in eine Richtung, denn ihr Wirken in Südindien oder Nordamerika war in der Regel eine Lebensaufgabe.

Dass eine solche Reise oft allein wegen des unsicheren Wetters ein großes Abenteuer werden konnte, ist im Tagebuch von Christian Wilhelm Gericke nachzulesen, der im Juni 1767 nach einer gefahrvollen Überfahrt Tranquebar erreichte. Sein Reisetagebuch erschien 1773 im Verlag des Waisenhauses unter dem Titel: „Merkwürdige Seereise von London nach Ceylon und Cudelur in den Jahren 1766 und 1767“. (S/MISS:G 342)

„Der Sturm erhob sich aufs neue, und kam zu seiner größten Stärke. Das Brausen des Windes in der Luft war nicht anders als das Getöne des stärksten Donners, und seine Stösse auf das Schiff als die Abbrennung ganzer Lagen von Kanonen. Das Wüten der See war mit nichts zu vergleichen. […] Wenn der Wind das Seewasser wie Staub über und gegen die Segel warf; so war es bey der finsteren Nacht nicht anders, als wenn Feuer vom Himmel auf unser Schiff herabstürzte. Doch dis war nur ein fürchterlicher Anblick. Aber als um Mitternacht alles Segeltuch bey Stücken weggewehet wurde, daß man in wenig Augenblicken keinen Lappen mehr sahe, und als der Mittelmast mit dem entsetzlichsten Krachen bis auf den untersten Strumpf abbrach, und mit der äußersten Gefahr des ganzen Schiffs aufs Verdeck stürzte, da wurde die Noth erst recht groß.“

Der Text der ganzen abenteuerlichen Seereise ist in den digitalen Sammlungen der Franckeschen Stiftungen nachzulesen.

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Kunst- und Naturalienkammer

Von Schiff zu Schiff

1741 entsandte Gotthilf August Francke (1696-1769) im Amt des Direktors der Franckeschen Stiftungen den Pfarrer Heinrich Melchior Mühlenberg (1711-1787) zur Betreuung der lutherischen Gemeinden nach Nordamerika. Die vielen spannenden Momente seiner Überfahrt hielt er in einem Tagebuch fest. Es ist 2011 als Einzelveröffentlichung im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienen.

Mühlenberg wird heute beiderseits des Atlantiks als Patriarch der lutherischen Kirche in Nordamerika verehrt. Seine drei Söhne unternahmen die Seereise zweimal. Ihre Ausbildung erhielten sie in den Schulen der Franckeschen Stiftungen in Halle. John Peter Gabriel wird heute mit einem Denkmal auf dem Capitol Hill für seinen Kampf in den amerikanischen Freiheitskriegen verehrt, Frederick Augustus ist heute als erster Sprecher des US-Repräsentantenhauses und Erstunterzeichner der Bill of Rights bekannt.

sprachrohr KNK  „Mittags entstand ein Geschrei, daß zwei Schiffe im vollen Segeln auf uns zukämen. Man vermuthete, daß es Spanier wären. […] Der Capitain rief Jedermann zu seinem Posten. Die Passagiere trugen die Betten auf´s Verdeck, befestigten solche an einem Geländer oder Gitterbäumen zu einiger Brustwehr, wohinter sie fechten sollte. […] Indem die zwei fremden Schiffe nun unsers in der Mitte hatten und feuern wollten, redeten die Capitaine erst miteinander durch´s Sprachrohr und fanden heraus, daß sie Engländer und Freunde waren nämlich eins von Genua und das andere von Gibraltar nach Portsmouth und London bestimmt, und daß wir ungefähr 50 französische Meilen von Lissabon wären.“

Mühlenberg_Titel_klein 

LESETIPP

Die Benutzung eines Sprachrohrs auf hoher See und viele andere Abenteuer sind anschaulich in der Selbstbiografie Mühlenbergs nachzulesen. Das Buch ist im Francke-Wohnhaus erhältlich.

Heinrich Melchior Mühlenberg – Selbstbiographie von 1711 bis 1743. Neu herausgegeben und eingeleitet von Thomas Müller-Bahlke. Halle 2011.
XIII, 234 S., 2 Abb., € 11,80; ISBN 978-3-939922-32-2

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Waisenhaus-Kabinett im Historischen Waisenhaus

Georg Heinrich Neubauer (1666-1725) auf Bildungsreise

FS 15_Schlafsaal im Modell des Waisenhauses KNK_klein 

Georg Heinrich Neubauer zählte zu den engsten Vertrauten Franckes. In vielen Angelegenheiten der Franckeschen Stiftungen begegnet uns in den Quellen sein Name, ein Bild von ihm gibt es nicht. 1697 sendete ihn August Hermann Francke in die Niederlande. Die dortigen Waisenhäuser galten als die Fortschrittlichsten der Zeit. Hier wollte man sich vor dem Bau des Halleschen Waisenhauses grundlegend über die Bauweise und den Alltag der Waisenkinder informieren. Mit einem umfangreichen Fragenkatalog ausgestattet, machte sich Neubauer auf die Reise:

17. Wie groß die Schlaffkammern e.g. eine auf 50 Persohnen? Item wie hoch?
18. Wo ist die Küche gelegen? Etwa nahe bey des Waysen-Vaters Stube? u. wie groß ist sie? u. wie groß ist der Herd?
19. Wie groß ist der Keller, u. wo ist er gelegen?
21. Wo ist die Kammer vor truckene, gedörrete Sachen, Meel u. andere Victualien, u. wie groß ist dieselbe?
23. Können sie auch den öbersten Boden wol zu dergleichen brauchen? Oder ist derselbe gantz nötig, das gewaschene Zeug darauff zu hängen? Wo hängen sie das gewaschene Zeug?

Neubauers Fragenkatalog 

LESETIPP:

Neubauers Fragenkatalog ist im Francke-Wohnhaus erhältlich:

Was bey Erbauung unsres Waysen-Hauses zu wissen nöthig sey. Der Fragenkatalog Georg Heinrich Neubauers für die Hollandreise 1697. Vorwort von Jürgen Gröschl. Halle 2003 (Kleine Texte der Franckeschen Stiftungen, 9).
16. S., € 2,50; ISBN 3-931479-48-X

 

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Pietismus-Kabinett

Der Klappaltar aus Südindien

Klappaltar_KNK  1733 hatte der Missionar Sartorius den Vishnu-Altar von einem Brahmanen in Madras gekauft nach Halle gesendet. Er beschreibt, wie der Verkäufer des Altars durch die Dörfer gewandert war und den Bewohnern singend die Göttergeschichte näherbrachte.Foto: Klaus E. Göltz Die Halleschen Pietisten sind bekannt für die Verbreitung des Luthertums in Übersee. So sehen heute noch tausende Christen der TELC (Tamil Evangelical Lutheran Church) ihre Wurzeln im Wirken der Francke-Schüler Bartholomäus Ziegenbalg (1682–1719) und Heinrich Plütschau (1676-1747). Nach abenteuerlicher Reise erreichten die beiden Missionare die Küste Südindiens im Jahr 1706. Im Auftrag des dänischen Königs Friedrich IV. hatten die beiden Theologen im südindischen Tranquebar eine Missionsstation errichtet. Dort nahmen sie ihre Arbeit auf und suchten mit staunendem Interesse und großer Behutsamkeit den Dialog zu den Menschen vor Ort. Sie gründeten Sozialeinrichtungen und Schulen nach hallischem Vorbild für Jungen und erstmals auch für Mädchen. Von hier aus wurde auch die Druckerkunst über ganz Indien verbreitet. Der über 300-jährige Kulturdialog wird heute weiter geführt. Auf Initiative der Franckeschen Stiftungen haben sich mehrere Partner zusammengeschlossen, um in Tranquebar das original erhaltene Wohnhaus von Ziegenbalg zu renovieren. Dort soll ein Museum für die Geschichte des interkulturellen Dialogs zwischen Indien und Europa eingerichtet werden.

„Ich suche mit Fleiß hinter alle ihre [d.h. der südindischen Bevölkerung, im 18. Jahrhundert Malabaren genannt - Anm. der Red.] Geheimnisse zu kommen und lasse mir um deswillen viele von ihren Schriften mit großen Unkosten abschreiben. Wenn sie nicht eine so große Liebe zu mir hätten und von mir eine aufrichtige Gegenliebe verspürten, so würden sie mir diese nicht zukommen lassen, wenn ich ihnen gleich für ein jedes Blatt einen Dukaten geben wollte.“

Bartholomäus Ziegenbalg in seinem Brief vom 25.09.1706 aus Tranquebar

Bd07_Vishnu_978-3-931479-83-1 

LESETIPP

Vishnus Weltenraum. Geheimnisse des Indienschrankes in der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen.
Hrsg. von Aletta Leipold. Halle 2007 (Kleine Schriftenreihe der Franckeschen Stiftungen, 7).
94 S., 18 Abb., € 7,50; ISBN 978-3-931479-83-1

Francke-Wohnhaus

August Hermann Francke unterwegs

Stula Porzellan So könnte Francke die Stadt Halle bei seiner Abreise im Sommer 1717 nach Süddeutschland gesehen haben.Foto: Friederike Lippold

Viele Orte hatte August Hermann Francke in seinem Leben gesehen, bevor er nach Halle kam. Geboren in Lübeck, verbrachte er seine Ausbildungsjahre in Gotha, Kiel und Leipzig und weilte anschließend in Lüneburg, Hamburg und Erfurt. Ab 1691 wirkte er als Universitätsprofessor und später Pfarrer in Halle. Hier errichtete sein Lebenswerk, die Franckeschen Stiftungen.

Erst nach über 25 Jahren, im August 1717, begab er sich wieder auf große Reise. Eine Erholungsfahrt nach Süddeutschland war geplant. Viel länger als zunächst gedacht, zögerte sich seine Rückreise heraus und das Reisen selbst erwies sich als zum Teil sehr beschwerlich. Am 30. Januar 1718 schrieb er aus Augsburg an seine Frau, die ihn in Halle sehnlichst erwartete:

„Hier, da [ich] der Wichtigkeit des Orts unerachtet am meisten fortzueilen gedacht, fiel den Tag nach meiner Ankunft solch Wetter ein, daß Niemand mich so wenig möchte geliebet haben, mich fortzujagen. Gestern war die Kälte 80 Grad und heute ist sie 8 Grad höher, scheinet auch noch immer höher zu steigen. Dabei habe ich vielmal an deine liebreiche Erinnerung gedacht, daß ich in solcher Kälte nicht weiter reise, sondern still liegen möchte. Es würdens auch Herr Neubauer, Herr Köppen und mein Sohn nicht ausstehen, wenn ich mich gleich mit meinem Bärensack ziemlich behelfen könnte. Sobald aber das Wetter gelinder und nur träglicher wird, daß wirs in unserm Fuhrwerk erleiden können, soll uns weiter nichts als allein Gottes Gewalt von der Zurückreise und möglichster Beschleunigung unserer Wiederkunft abhalten.“

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