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Schätze aus den Sammlungen der Franckeschen Stiftungen

Briefe Luthers und Melanchthons im Archiv der Franckeschen Stiftungen

-2040  Martin Luther an den dänischen König Friedrich III. Kaum jemand vermutet, dass im Archiv der Franckeschen Stiftungen Handschriften aus der Reformationszeit aufbewahrt werden. Darunter befinden sich ein eigenhändiger Brief Martin Luthers (1483-1546) sowie sechs Autographen Philipp Melanchthons (1497-1560). Wie diese Dokumente in die Handschriftensammlung der Bibliothek des Waisenhauses gelangt sind, ist nicht bekannt. Es gibt aber Belege, die ihre Existenz bereits 1710 nachweisen.

Fünf der Briefe Melanchthons wurden erstmals 1761, also im Nachgang seines 200. Todestags, von Johann Anton Niemeyer, dem Inspektor des Pädagogiums, in einer kleinen Schrift mit dem Titel „Examen publicum in Paedagogio regio [...] exhibetur Philippi Melanchthonis epistularum adhunc nondum editarum pentas“ veröffentlicht und mit Kommentaren versehen. Sie stammen aus den Jahren 1540 bis 1559 und sind an den Juristen, Hochschullehrer und Politiker Ulrich von Mordeisen (1519-1572), den Theologen Alexander Alesius (1500-1565) und den Grafen Hans Georg von Mansfeld (1515-1579) adressiert.

Der früheste Brief Melanchthons kann jedoch auf Anfang November 1521 datiert werden. Luther hält sich nach dem Wormser Edikt zu diesem Zeitpunkt noch auf der Wartburg auf. Melanchthon, der in Wittenberg verblieben ist, richtet das lateinische Schreiben an den Theologen und Historiker Georg Spalatin (1484-1545). Er spricht sich darin gegen eine Verlegung der Universität Wittenberg wegen der ausgebrochenen Pest nach Grimma aus und berichtet, dass bisher nur zwei Hochschullehrer die Stadt verlassen haben. Außerdem empfiehlt er nachdrücklich den städtischen Schulmeister Georg Mohr (1497-1553) für ein kirchliches Amt in Coburg. Des Weiteren sendet Melanchthon seine Thesen „Propositiones de missa“, die auf eine Reform der geistlichen Messe abzielen. Schließlich fügt er noch einen Brief über den Priester Balthasar Zeiger bei. Zeiger war in Vatterode bei Mansfeld tätig und gehörte zu den ersten Pfarrern, die öffentlich eine Ehe eingingen. Dafür wurde er 1521 von Erzbischof Albrecht II. von Mainz (1490-1545) inhaftiert.

Der stark beschädigte Brief konnte 2008 durch die Firma Bucheinband exquisit in Leipzig restauriert werden.

Er wird in der gemeinsamen Sonderausstellung der Franckeschen Stiftungen und der Marienbibliothek Halle zum Auftakt des Reformationsjubiläums "Wissensspeicher der Reformation. Die Marienbibliothek und die Bibliothek des Waisenhauses Halle" vom 31. Oktober 2016 bis 28. Februar 2017 im Historischen Waisenhaus zu sehen sein.

Schon jetzt können Sie in den Briefen Melanchthons und Luthers im neuen Modul "Handschriften und Autographen" der Digitalen Sammlungen des Studienzentrums blättern.

Der zweite Böhmische Bibeldruck am Halleschen Waisenhaus

1745 erschien die zweite hallische Ausgabe der sogenannten Böhmischen Bibel als Nachdruck der Ausgabe von 1722. Hatte man bei der Ausgabe von 1722 bewusst auf einen Erscheinungsvermerk verzichtet, so fand sich nun auf dem Titelblatt die Angabe „Nákladem Samuele Trautmanna w Briku, Léta Páné MDCCXLV.“ Der Buchhändler Samuel Trautmann, Buchführer, Buchhändler und Buchdrucker der tschechischen Emigranten in Brieg in Schlesien, verlegte diese Bibel auf eigene Kosten. Gedruckt wurde sie in der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle. Allerdings wies sie sehr zahlreiche Druckfehler auf und fand deshalb kaum Abnehmer.

BöhmischeBibel

Ab 1620 hatte die Rekatholisierung der böhmischen Länder zur Auswanderung der Protestanten, die nicht zum Katholizismus konvertieren wollten, zur Verdrängung der tschechischen Sprache als “Sprache der Ketzer und Rebellen” von Amt, Schule und Kanzel sowie zu einer starken Überwachung und Verfolgung des tschechischen sogenannten “ketzerischen” Schrifttums geführt.

Halle wurde im 18. Jahrhundert in besonderem Maße zu einer Stätte bewusster Pflege des Erbes der tschechischen und slowakischen Sprache. Nachdem 1709 der aus Oberungarn (Slowakei) stammende Mátyás Bel (1684-1749) in Halle einen Nachdruck des Kralitzer Neuen Testaments herausgegeben hatte und 1720 eine weitere Ausgabe mit einem Vorwort über die Geschichte der tschechischen Bibelübersetzungen durch den böhmischen Exulanten Vaclav Klejch (1678-1737) in Zittau erschienen war, wurde in Halle eine Kralitzer Vollbibel gedruckt, wobei es sich nicht bloß um einen mechanischen Nachdruck des Kralitzer Textes von 1613 handelte. An dieser Neuauflage einer tschechischen Bibel wurde in der Slowakei gearbeitet, während in Halle die finanzielle Seite des Unternehmens sichergestellt und schließlich der Druck ausgeführt wurde. Für den Bibeldruck wurde eine ganz neue Schrift gegossen, mit dem Druck selbst im Dezember 1721 im Waisenhaus begonnen. Bis September 1722 waren die ersten 5.000 Exemplare gedruckt. Diese Bibel sollte in der Slowakei und auf heimliche Weise auch in Böhmen und Mähren verbreitet werden und gelangte 1724 sogar bis nach Narva in Estland. Nachdem die erste Auflage sehr schnell vergriffen war, erschienen noch zwei weitere Ausgaben 1745 und 1766.

Die mit Kommentaren versehene Kralitzer Bibel, die in der Zeit der Rekatholisierung zu einem Symbol des tschechischsprachigen Protestantismus wurde, erschien in Kralitz an der Oslawa zunächst 1579 bis 1594 in sechs Bänden und 1.000 Exemplaren. Diese tschechische Bibelübersetzung basierte auf dem originalen Bibeltext in Griechisch und Hebräisch. Sie entstand in der Druckerei der Böhmischen Brüder und war nicht für den Verkauf bestimmt, sondern wurde an den Klerus der Unität ausgegeben. Für eine breitere Leserschaft war dann die einbändige Vollbibel ohne Kommentare von 1596 gedacht, die gemeinsam mit einem Neuen Testament gedruckt wurde. 1613 erschien dann eine großformatige einbändige Vollbibel mit revidiertem Text. Sie wurde aufgrund ihrer sehr hohen Qualität zur bekanntesten Übersetzung der Bibel ins Tschechische. Die Kralitzer Bibel diente als Mustertext und wurde somit vorbildhaft für die Entwicklung der tschechischen Standardsprache und Schriftsprache im 18. und 19. Jahrhundert.

1766 gab Johann Theophilus Elsner (1717-1782), Senior (Bischof) der böhmischen Brüderunität in Großpolen und Polnisch-Preußen und Pastor der böhmisch-reformierten Gemeinde in Berlin, in Halle eine in der Cansteinschen Bibelanstalt gedruckte tschechischsprachige Vollbibel heraus, deren Text in Anlehnung an die deutsche Lutherbibel revidiert worden war. Die Bibelübersetzung Elsners fand nach dem Ende der Gegenreformation auch unter den tschechischen und slowakischen Protestanten weite Verbreitung.

Die in der Cansteinschen Bibelanstalt zwischen ihrer Gründung und dem Ende des 18. Jahrhunderts gedruckten drei Bibelausgaben in tschechischer Sprache erreichten eine Auflagenhöhe von insgesamt 15.350 Exemplaren. Hinzu kamen noch tschechische Neue Testamente in insgesamt 15.250 Exemplaren.

Luthers Predigten hinter Mauern verborgen

Der katholische Kardinal Albrecht und der Reformator Martin Luther waren erbitterte Widersacher. Das bekam auch die einfache Bevölkerung der Stadt Halle zu spüren.

  Lutherbibel 

Ein ledergebundenes Buch in der Kulissenbibliothek der Franckeschen Stiftungen gibt einen spannenden Einblick in den Alltag zwischen den Fronten. Es stammt aus der Bibliothek des ersten deutschen Slavisten und engen Vertrauten Franckes, Heinrich Milde (1676-1739). Im Zuge der Arbeiten an der Rekonstruktion der Bibliothek August Hermann Franckes gab der Sammelband mit Luthertexten seine spannende Geschichte preis:

Der Bibliomane Heinrich Milde hatte die Angewohnheit, ausladende Bemerkungen, theologische Betrachtungen und Gedanken direkt auf die Buchseiten zu schreiben. Auf diese Weise verzeichnete er, dass die Luthertexte zu Beginn des 18. Jahrhunderts beim Umbau des Gasthauses zu den 3 Schwanen in der Rannischen Straße, in dem die „Saltz-Führer“ einkehrten, von den Maurern entdeckt und in die Stiftungen August Hermann Franckes gebracht worden waren. Er äußerte die Vermutung, dass die in Halle zu Regierungszeiten Kardinal Albrechts bis zu seiner Vertreibung von der Moritzburg im Jahr 1541 nicht geduldeten protestantischen Predigten aus Angst vor den Katholiken eingemauert worden waren. Unter den Texten fand sich auch die Lutherschrift „... das man solle Kinder zur Schule halten“. Diesem Kernanliegen der Halleschen Pietisten gab Milde im Jahr 1715 einen hochwertigen Ledereinband. Die Geschichte des Sammelbandes widerspiegelt die Brisanz der Luthertexte im 16. Jahrhundert. Sie ist vor allem aber Ausdruck der engen inhaltlichen Anbindung des Halleschen Pietismus an die Ideen der Reformation Martin Luthers.

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Die Globenmanufaktur am Halleschen Waisenhaus

In den Beilagen zu den Tagebüchern August Hermann Franckes findet sich ein Werbezettel für Erd- und Himmelsgloben, die in den Glauchaschen Anstalten hergestellt wurden. Angeboten wurden die Modelle in vier verschiedenen Größen mit Durchmessern von 19 Zoll (ca. 50 cm), 13 Zoll (ca. 34 cm), 5 Zoll (ca. 13 cm) und 2,5 Zoll (ca. 6,5 cm). Zwischen 60 und 9 Reichstalern sollte mit Ausnahme der kleinsten Größe so ein Globus kosten. Um die Wissenschaftlichkeit der Globen hervorzuheben, wurde bei der Werbung darauf verwiesen, dass sich die Sternbilder des Himmelsglobus auf die Darstellungen des bekannten venezianischen Kosmografen Vincenzo Maria (oder Marco) Coronelli (1650-1718), die Länder und Orte des Erdglobus auf die Beschreibungen des führenden Pariser Kartografen Nicolas de Fer (1664-1720) stützen. Zu den Himmelsmodellen war eine Beschreibung erhältlich, die das Auffinden der Sternkonstellationen erleichtern sollte. Betont wurde ferner, dass der Horizont, der bisher bei anderen Herstellern ausschließlich aus temperatur- und feuchtigkeitsempfindlichem Holz gefertigt wurde, aus einem neuen, unveränderlichem Material bestehen würde. Zuletzt folgte der Hinweis, dass die Globen im Buchladen des Waisenhauses bestellt und erworben werden können.

Erdglobus Wunderkammer 

Franckes Interesse an Globen, die er zunächst für Anschauungszwecke einsetzen wollte, reicht noch vor die Anfänge seiner Schuleinrichtungen zurück. So verspricht ihm ein Augsburger Theologiestudent bereits 1693 ein Modell, und 1699 stellt Carl Hildebrand von Canstein (1667-1719) den Kauf von Globen in Berlin oder Hamburg in Aussicht. Doch erst im März 1718, auf seiner Reise durch Süddeutschland, wurde Francke mit der Idee konfrontiert, eine eigene Globenmanufaktur in den Glauchaschen Anstalten einzurichten. Der Vorschlag wurde ihm von Dietrich Christoph von Barner (gest. 1725) unterbreitet, einem aus Mecklenburg stammenden General, der mystischen und radikalpietistischen Ideen nahestand. Dieser machte Francke in Nürnberg mit dem Globenbauer Johann Ludwig Andreae (1667-1725) bekannt und bot die Übernahme der Anschubfinanzierung von 1400 Reichstalern für die Gegenleistung einer jährlichen kostenlosen Medikamentenlieferung an. Andreae war 1711 vorübergehend aus dem Pfarrdienst ausgeschieden und betrieb seit 1714 eine Werkstatt zur Herstellung von Globen in Nürnberg. Barner und Andreae müssen auf Francke so überzeugend gewirkt haben, dass noch am selben Tag ein Vertrag ausgehandelt und unterzeichnet wurde.

Ende Mai 1718 reiste Andreae selbst nach Halle, um den Aufbau der Manufaktur und die Einarbeitung des Personals zu übernehmen. Dabei brachte er die beiden Globen mit, die noch heute in der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungenbesichtigt werden können. Sie dienten vermutlich zunächst als Muster für die in Halle zu fertigenden Modelle. Die Kugeln haben einen Durchmesser von 32 cm, bestehen aus mit Gips überzogenem Pappmaché und sind mit kolorierten Kupferstichsegmenten beklebt. Die Globen sind in ein dreifüßiges geschnitztes und mit Gold bronziertes Holzgestell mit geschwungenen Füßen eingehängt, die Füße wiederum stehen auf einer dreieckigen Grundplatte.

Als Globenhersteller war der aus einer mit Francke bekannten Handwerkerfamilie in Böhlitz bei Leipzig kommende Gottlieb Tostlöwe (geb. 1692) vorgesehen, der die Lateinische Schule des Waisenhauses besucht und in Halle Theologie studiert hatte. Die unter Anleitung von Andreae probeweise gefertigten ersten Globen wurden Anfang Juli 1718 Francke, Johann Daniel Herrnschmidt (1675-1723) und Christoph Semler (1669-1740) vorgestellt, die sie als gelungen einschätzten und Tostlöwe nach der Abreise Andreaes endgültig einstellten.

Es sollte jedoch noch bis April 1719 dauern bis es Tostlöwe gelang, seine ersten eigenen Modelle, einen Erd- und einen Himmelsglobus von 5 Zoll Durchmesser, herzustellen. Je ein Paar wurde als erste Produkte der Globenmanufaktur des Waisenhauses an die beiden Söhne Heinrichs XXIV. von Reuß-Köstritz (1681-1748) überreicht. Probleme bei der Herstellung und Qualität insbesondere der größeren Kugeln und der Kupferstiche, mit denen sie bezogen wurden, verzögerten immer wieder die Arbeit. Schließlich konnte im September 1719 das schon über ein Jahr zuvor geplante Vorhaben verwirklicht werden, dem preußischen Kronprinzen Friedrich (1712-1786) ein Globenpaar aus hallescher Produktion zu präsentieren. Dem Bericht Georg Heinrich Neubauers (1666-1725), der die Einrichtung und Erläuterung der Modelle übernahm, ist noch heute der Stolz über diese Arbeit anzumerken, hatte doch Tostlöwe recht selbstbewusst verkündet, dass seine Globen so geraten seien „daß sie des Herrn Andreae seinen nicht viel nachgeben in einigen Stücken aber vorzuziehen sind“ .

1720 erkrankt Tostlöwe schwer und musste Halle verlassen. Die Aufsicht über die Globenmanufaktur wurde Christoph Semler übergeben, der über einen reichen Erfahrungsschatz bei der Anfertigung mechanischer Modelle verfügte, und der bisherige Hersteller von Sanduhren Wagner mit dem nunmehr kurz „Globifikation“ genannten Bau der Erd- und Himmelskörper betraut. Zur Ankurbelung des Verkaufs wurden die hier gezeigten Werbezettel gedruckt und versendet.

Die weitere Spur der Manufaktur verliert sich im Dunkel der Geschichte. Nur noch einmal, 1724, vermerkt Francke ein Gespräch mit Semler über die Globenherstellung in seinem Tagebuch. Es ist zu vermuten, dass zu dieser Zeit die Anfertigung der Modelle wegen Unrentabilität aufgegeben wurde. Als sich fast zwanzig Jahre später der preußische Hofgerichtspräsident und Physiker Ewald Jürgen von Kleist (1700-1748) mit dem Vorschlag an Franckes Sohn Gotthilf August (1696-1769) wendet, eine Fabrik zur Herstellung von Himmels- und Erdgloben im Waisenhaus Halle zu etablieren, lehnt der weit weniger risikofreudige nunmehrige Direktor der Einrichtung dieses Ansinnen entschieden ab.

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Das Evangelium auf Grönländisch:

Von einem schmutzigen Buch und seiner spannenden Herkunftsgeschichte

Evangelium_Seite_53 copy2  Diese 1744 erschienene Übersetzung des Evangeliums (die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) auf Grönländisch gab der Norweger Paul Egede (1708–1789) heraus, der wie sein Vater Hans Egede (1686–1758) als Missionar in Grönland tätig war. Der von Paul Egede selbst ins Grönländische übersetzte Text ist mit einem dänischen Vorwort versehen. Darin wird der bemerkenswerte Gedanke formuliert, die Übersetzung sei auch deshalb besonders zu begrüßen, weil sie den Grönländern ermögliche, die Heilige Schrift in ihrer Muttersprache zu hören und zu lesen und somit die Grundlage der christlichen Unterweisung durch die Missionare selbst zu überprüfen.

Auf der Vakatseite vor dem Titelblatt befindet sich ein Autograf Johann Heinrich Callenbergs (1694–1760), dem Leiter des Institutum Judaicum et Muhammedicum, der im Halleschen Waisenhaus auch als Bibliothekar tätig war. Dem Eintrag ist zu entnehmen, dass dieses Buch dem Übersetzter Paul Egede selbst gehörte und er selbiges in Grönland als Handbuch benutzte. Über den Missionsreisenden Stephan Schultz (1714–1776), der im Auftrag des Institutum Judaicum et Muhammedicum durch Europa reiste, sei das Exemplar dann schließlich nach Halle gelangt.

Titelblatt+Vakatseite_131_G_4 copy  Das Autograf auf der Vakatseite vor dem Titelblatt lautet:
„Dieses Buch hat der Übersetzer, ein grönländischer Missionarius u. Sohn des ersten Missionarii Hans Egede, als sein Handbuch in Grönland gebraucht und dem Jüdischen Institute verehret. Er hat dabei erwähnet: die Flecken rührten her aus den schmutzigen Hütten der Grönländer, in welchen er sie aus dem Buche gelehret habe. Herr Steph. Schulze hat es mir eingehändiget 1749. d. 1. vel 2. Febr. JH Callenberg“

Die Gebrauchsspuren und der Zustand des Buches legen nahe, dass es tatsächlich viel benutzt wurde. Dass das Exemplar jedoch von Paul Egede selbst in Grönland verwendet wurde, muss bezweifelt werden: Egede kehrte aufgrund eines Augenleidens 1741 aus Grönland nach Kopenhagen zurück. Hier stellte er 1744 die vorliegende Übersetzung des Evangeliums fertig. Es ist nicht belegt, dass Egede nach 1741 nochmals nach Grönland reiste, vielmehr war er in Kopenhagen bereits ab 1741 als Pastor tätig und widmete sich in den folgenden Jahren der Ausbildung von angehenden Missionaren im Grönländischen Seminar in Kopenhagen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass das vorliegende Buch tatsächlich einmal in Grönland von einem anderen Missionar zu Unterrichtszwecken verwendet wurde. Ob die Flecken im Buch jedoch wirklich „aus den schmutzigen Hütten der Grönländer“ stammen, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Der Gedanke an diese Möglichkeit aber verleiht dem Buch in jedem Fall eine gewisse Aura.

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