Abgeschlossene Projekte des Studienzentrums

  1. Pietistische Kommunikationsnetzwerke. Erschließung der pietistischen Korrespondenz im Hauptarchiv der Franckeschen Stiftungen und in der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha (DFG)
  2. Rekonstruktion, Katalogisierung und Provenienzverzeichnung von Pietistenbibliotheken (DFG)
  3. Das Freylinghausensche Gesangbuch - Edition und Kommentar (DFG)
  4. Erschließung der Archivbestände zur Dänisch-Halleschen Mission (DFG)
  5. Franckes Schulen (DFG)
  6. Erschließung der Bibliothek August Tholuck (DFG)
  7. Berliner Francke-Nachlass (DFG)
  8. Drucke der Reformationszeit in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen
  9. Die Privatbibliothek August Hermann Franckes. Ihre Rekonstruktion auf der Grundlage des Auktionskatalogs von 1770
  10. Bibliographie der Verlagsproduktion des Waisenhauses (1698–1785)
  11. Edition der Briefe von Johann Martin Boltzius
  12. Waisenhaus-Kataster
  13. Digitalisierung der "Halleschen Berichte"
  14. Katalogisierung der Cansteinschen Bibelsammlung
  15. Orientalische Handschriften
  16. Tamil-Manuskripte
  17. Hungarica-Sammlung/Abt. Porträts
  18. Überregionale Bestandsübersicht zur Indienmission
  19. Bio-bibliographisches Register zum Hauptarchiv
  20. Böttichersche Porträtsammlung
  21. Georgia-Archiv

GEPRIS: Von der DFG geförderte Projekte der Franckeschen Stiftungen

 

1. Pietistische Kommunikationsnetzwerke. Erschließung der pietistischen Korrespondenz im Hauptarchiv der Franckeschen Stiftungen und in der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha

Der Hallesche Pietismus erzeugte im 18. Jahrhundert ein nahezu weltweites Echo. Das wurde aufgrund gut organisierter und weit gespannter Kommunikationsnetzwerke möglich. Deren Mittelpunkt bildeten die Briefwechsel August Hermann Franckes, seiner Mitarbeiter, Wegbegleiter und Nachfolger. Das dreijährige, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Erschließungsprojekt "Pietistische Kommunikations­netzwerke. Erschließung der pietistischen Korrespondenz im Hauptarchiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle und in der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, Forschungs­bibliothek Gotha" geht davon aus, dass durch diese Korrespondenzen die Inten­tionen der von Francke beabsichtigten Generalreformation der Welt widergespiegelt werden. Die Korrespondenz des Halleschen Pietismus umfasst sowohl die Verständigung mit den universitären, kirchlichen und staatlichen Institutionen in Halle, in Berlin und in ganz Preußen als auch die Zusammenarbeit mit Partnern im europäischen und außereuropäischen Ausland und wirkt zeitlich über die erste Generation der Halleschen Pietisten hinaus bis zum Jahr 1769, dem Todesjahr Gotthilf August Franckes, der seinem Vater im Direktorenamt folgte. Dem sich etablierenden Pietismus vorausgehend und diesen in der Frühzeit teilweise begleitend sind Korrespondenzen mit spiritualistischen und separatistisch gesinnten Personen, die teils auf persönliche Kontakte Franckes und seiner Mitarbeiter, teils auf Nachlässe spiritu­alisti­scher Autoren, die in Halle gesammelt wurden, zurückgehen und heute im Hauptarchiv der Franckeschen Stiftungen aufbewahrt werden. Insofern bildet das Korrespondenznetz die Entstehung, Etablierung und Wirkung des Halleschen Pietismus ab und gewährt Einblick in ein universal ausgerichtetes Themenspektrum. Da an der Universitäts- und Forschungs­bibliothek Erfurt/Gotha, Forschungsbibliothek Gotha ein einmaliger Bestand von Briefen, die sowohl die Frühzeit des sich herausbildenden Pietismus als auch die Phase der Etablierung des Halleschen Pietismus dokumentieren, vor­handen ist und damit den halleschen Archivbestand entscheidend ergänzt, wurden in dem Erschließungsprojekt die Briefe im Hauptarchiv der Franckeschen Stiftungen und in der Forschungsbibliothek Gotha von etwa 1660 bis 1769 formal und inhaltlich in einer gemein­samen Datenbank erschlossen.

Die Erschließung der Korrespondenz kommt allen historisch arbeitenden Wissenschaften zum 17. und 18. Jahrhundert zugute und kann sowohl innerhalb der einzelnen Fach­wissen­schaften als auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit zu weitergehenden Fragestellungen genutzt werden.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbetreuung: Dr. Jürgen Gröschl
Wiss. Mitarbeiter: Dr. Karsten Hommel (bis 31.10.2011), Dr. Erika Pabst
Stud. Hilfskraft: Eric Nagel
Projektdauer: 1.11.2008 bis 31.12.2012 dfg_logo_schriftzug_blau

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2. Rekonstruktion, Katalogisierung und Provenienzverzeichnung von Pietistenbibliotheken

Ziel des Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wurde, war die Rekonstruktion, Katalogisierung und Provenienzverzeichnung von Privatbibliotheken namhafter Pietisten, die ihre Büchersammlungen zwischen 1698 und 1739 der Bibliothek des Halleschen Waisenhauses, den späteren Franckeschen Stiftungen, vermachten.
In der ersten Projektphase (1.1.2007 bis 30.6.2009) wurden wichtige Privatbibliotheken, u.a. die umfangreiche Privatbibliothek des Freiherrn Carl Hildebrand von Canstein (1667–1719) oder die Bibliothek des Slawisten Heinrich Milde (1697–1739), die in Nachlassinventaren verzeichnet sind, rekonstruiert und die in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen vorhandenen Titel in den Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) per Autopsie unter Angabe der Provenienz katalogisiert. In der zweiten Projektphase (1.10.2009 bis 30.6.2011) bildeten die Privatbibliotheken von Paul Anton (1661–1730) und Justus Lüders (um 1756–1708), beide Befürworter des Halleschen Pietismus, den Arbeitsschwerpunkt.
Titel, die nicht mehr im Bestand der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen nachweisbar sind, sind in einer separaten Datenbank recherchierbar. Die Autogramme der Nachlassgeber liegen in digitalisierter Form vor.

Da die Pietisten nicht nur eine kirchliche, sondern alle Bereiche des öffentlichen Lebens umfassende Reform intendierten, zeigen ihre Büchersammlungen thematisch und zeitlich weit gespannte Interessen, zumal Sammler wie Friedrich Breckling (1629–1711) oder Heinrich Milde äußerst seltene holländische bzw. slawische Drucke besaßen. Carl Hildebrand Freiherr von Canstein besaß eine der größten universal ausgerichteten Privatbibliotheken der Frühen Neuzeit mit bedeutenden juristischen, historischen und theologischen Werken und trug mit seinem Vermächtnis zugunsten des Halleschen Waisenhauses besonders dazu bei, dass sich die Bibliothek des Waisenhauses zu einer universalen, öffentlich zugänglichen Gebrauchsbibliothek modernen Zuschnitts entwickelte. Deshalb wird durch die Katalogisierung der Pietistenbibliotheken allen historisch arbeitenden Wissenschaftsdisziplinen wertvolles Material bereitgestellt.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbetreuung: Anke Mies
Projektbearbeitung: Anke Fiebiger, Mirjam Frank (wissenschaftliche Hilfskraft)
Projektlaufzeit: 1. Januar 2007 bis 30. Juni 2011 dfg_logo_schriftzug_blau

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3. Das Freylinghausensche Gesangbuch – Edition und Kommentar

Ziel des Projekts war die Erarbeitung einer mit ausführlichem Kommentar versehenen kritischen Ausgabe des Freylinghausenschen Gesangbuches als in dieser Art ersten wissenschaftlichen Gesangbuch-Edition.
Johann Anastasius Freylinghausen (1670–1739), als Theologe, Pädagoge und Lieddichter ein wichtiger Vertreter des Halleschen Pietismus, hat zwei Liedsammlungen herausgegeben: das Geistreiche Gesangbuch (19 Ausgaben; Halle 1704–1759) und das Neue Geistreiche Gesangbuch (4 Ausgaben; Halle 1714–1733). Vom Herausgeber selbst als zwei Teile eines Ganzen betrachtet und 1741 von Gotthilf August Francke in einem Band zusammengefasst (unter dem Titel Geistreiches Gesangbuch; 1771 2. Auflage dieser Gesamtausgabe), enthält das Freylinghausensche Gesangbuch mehr als 1.500 Liedtexte und ca. 600 Liedkompositionen. Damit stellt Freylinghausens Anthologie die wichtigste Liedsammlung des Pietismus dar.
Mit der kritischen Edition des Freylinghausenschen Gesangbuches soll eines der Schlüsselwerke frühneuzeitlicher evangelischer Gesangbuchliteratur sowohl der philologisch-musikwissenschaftlichen wie der hymnologisch-kirchengeschichtlichen Forschung und Lehre als auch der kirchenmusikalischen Praxis verfügbar gemacht werden.
Der eine wesentliche Ergänzung zur Edition (Bände I und II) bildende Kommentar (Band III) ist konzipiert als eine Art Kompendium zum geistlichen Lied im Deutschland des frühen 18. Jahrhunderts, wie es gerade vom pietistischen Halle aus wichtige (bis in die Gegenwart wirkende) neue Impulse empfangen hat. Indem darin bereits vorliegende und im Laufe des Projekts zu erwartende Ergebnisse interdisziplinärer Forschung zum "Freylinghausen" und seiner literar- und musikhistorischen wie theologisch-frömmigkeitsgeschichtlichen Dimension gebündelt zur Darstellung kommen, wird hier exemplarisch der Aspektreichtum pietistischer Liedkultur aufgezeigt.

Herausgeber / Editors: Prof. Dr. Dianne Marie McMullen, Union College, Schenectady, USA, Dr. Wolfgang Miersemann, Franckesche Stiftungen zu Halle
Projektzeitraum: seit 2000 dfg_logo_schriftzug_blau

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4. Erschließung der Archivbestände zur Dänisch-Halleschen Mission

Im Jahr 2006 begeht das erste Missionsunternehmen in der protestantischen Kirchengeschichte, bekannt als Dänisch-Hallesche Mission, sein 300-jähriges Jubiläum. Der überwiegende Teil der umfangreichen schriftlichen Überlieferung wird heute im Archiv der Franckeschen Stiftungen bewahrt. In einem dreijährigen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Projekt wurden die über 34.000 Briefe, Tagebücher und Berichte einzeln verzeichnet und in einer Datenbank im Internet verfügbar gemacht.

Projektleitung: Dr. Thomas Müller-Bahlke
Projektbetreuung: Dr. Britta Klosterberg, Dr. Jürgen Gröschl
Wiss. Mitarbeiter: Dr. Karsten Hommel, Dr. Erika Pabst
Stud. Hilfskräfte: Jan Brademann, Andreas Otte
Sachbearbeiterin: Hildegard Beßler
Projektdauer: 1.1.2003 bis 31.10.2005 dfg_logo_schriftzug_blau

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5. Franckes Schulen

Das Forschungsprojekt "Schüler, Lehrer und Schulalltag der Schulen in den Franckeschen Stiftungen. Vom Beginn bis zum Tod des zweiten Direktors" wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Das Ziel des Projekts war die Erschließung aller schul- und pädagogikgeschichtlich relevanten Quellen im Archiv der Franckeschen Stiftungen für den Zeitraum von der Gründung des Halleschen Waisenhauses durch August Hermann Francke (1695) bis zum Ende des Direktorats Gotthilf August Franckes (1769). Darüber hinaus sollten die Entwicklung der Schulen des Halleschen Waisenhauses und deren pädagogische Praxis in den ersten beiden Dritteln des 18. Jahrhunderts näher erforscht werden.
Die erstmalige vollständige Verzeichnung des Schularchivs seit 1993 war Voraussetzung für dieses Forschungsprojekt. Die Quellenbestände des Schularchivs geben Auskunft über die soziale und geographische Herkunft von Schülern und Lehrern der Franckeschen Stiftungen sowie über deren weiteren Lebensweg nach Verlassen der Anstalten. Regelmäßig geführte Protokolle über Lehrer- und Verwaltungskonferenzen, von Inspektoren verfasste Hausbücher, Verordnungen, Schülerarbeiten, Lektionsbücher und -pläne, Rechnungsbücher, Speiseordnungen und Gebäudegrundrisse bieten detaillierte Einblicke in den damaligen Schulbetrieb und Lebensalltag.
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden die sozial- und personengeschichtlich relevanten Daten der einzelnen Quellen in Datenbanken erfasst. In der Online-Version finden Sie personenbezogene Daten zu 16.605 Waisen, Schülern und Lehrern. Zusätzlich wurden von den zentralen Quellen (Waisenverzeichnisse, Informatorenverzeichnisse, Konferenzbücher) Transkriptionen angefertigt. Als Vorarbeit zu diesem Projekt ist bereits die Edition der Waisenmatrikel 1695–1749 erschienen. Aus der Projektarbeit sind außerdem zwei Dissertationsvorhaben hervorgegangen.

Projektleitung: Prof. Dr. Juliane Jacobi, Universität Potsdam, Prof. Dr. Peter Menck, Dr. Thomas Müller-Bahlke, Franckeschen Stiftungen
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Silke Brockerhoff M.A., Dr. Axel Oberschelp
Projektzeitraum: 1999–2003

Publikationen:
"Man hatte von ihm gute Hoffnung...". Das Waisenalbum der Franckeschen Stiftungen 1695–1749. Hrsg. von Juliane Jacobi und Thomas J. Müller-Bahlke. Tübingen 1998. (Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien; 3).
Zwischen christlicher Tradition und Aufbruch in die Moderne. Das Hallesche Waisenhaus im bildungsgeschichtlichen Kontext. Hrsg. von Juliane Jacobi. Tübingen 2007. (Hallesche Forschungen; 22).

Dissertationsthemen:
Axel Oberschelp: Lehrerbildung und Lerhrertätigkeit im halleschen Waisenhaus im 18. Jahrhundert. Entwurf, Durchführung und Wirkungsmächtigkeit einer pädagogischen Reformkonzeption.
Silke Brockerhoff: Zwischen Pietismus und Aufklärung – Schüler und Lehrer in der lateinischen Schule des halleschen Waisenhauses (1697–1769).
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6. Erschließung der Bibliothek August Tholucks

Die Bibliothek des hallischen Theologieprofessors Friedrich August Gotttreu Tholuck (1799–1877), der zu den herausragenden Gestalten der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts gehört, befindet sich seit 1993 als Depositum des in Halle ansässigen Evangelischen Konvikts in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Im Rahmen eines DFG-Projekts zur Erschließung von Spezialbeständen wurde die über 10.000 Titel umfassende theologische Spezialbibliothek im überregionalen Katalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) erschlossen und damit der Forschung zugänglich gemacht.
Die Bibliothek August Tholucks ist eine theologische Spezialbibliothek mit den Schwerpunkten Bibelwissenschaften, Kirchen- und Dogmengeschichte, Geschichte der Frömmigkeit und des kirchlichen und akademischen Lebens des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Es überwiegen Titel aus dem 19. (ca. 65%) und 18. Jahrhundert (ca. 23,5%). Die Bibliothek gibt Zeugnis von der theologischen Wissenschaft im Umkreis der Erweckungsbewegung und vermittelt zusammen mit dem Tholuck-Archiv, das ebenfalls in den Franckeschen Stiftungen aufbewahrt wird, ein genaues Bild von der akademischen theologischen Forschung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Tholuck sammelte darüber hinaus die Werke der Autoren des Reformationszeitalters und die der Pietisten und Aufklärungstheologen des 18. Jahrhunderts.
Die Tholuck-Bibliothek ergänzt auf ideale Weise den historischen Altbestand der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen: Die Literatur zum Pietismus des 18. Jahrhunderts im Hauptbestand der Bibliothek und die zu der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in der Tholuckschen Bibliothek sind an einem Bibliotheksstandort vereint.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbearbeitung: Gerald Reeke
Projektzeitraum: 2000–2002 dfg_logo_schriftzug_blau

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7. Berliner Francke-Nachlass

Unter der Bezeichnung Francke-Nachlass wird in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz eine ausgedehnte Quellensammlung zur Geschichte des Halleschen Pietismus aufbewahrt. Die Dokumente dieses Nachlasses waren ursprünglich Teil der Quellensammlungen im Archiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle und stehen mit diesen in unmittelbarem Zusammenhang. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Vorhaben wurde im Archiv der Franckeschen Stiftungen erstmals die vollständige Verzeichnung des gesamten Berliner Francke-Nachlasses durchgeführt. Auf diese Weise wird der Forschung ein ganz zentraler Quellenbestand zur Geschichte des Pietismus in Ergänzung zu den halleschen Archivalien zugänglich gemacht.
Der Berliner Francke-Nachlass umfasst 11.147 Dokumente. Zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um Briefe. Berichte, Erörterungen, Tagebuchauszüge, aber auch Notizzettel vervollständigen die Quellensammlung.
Die methodische Grundlage für die Verzeichnung bildeten die Regeln für die Erschließung von Nachlässen und Autographen.
Als Resultat der zweijährigen Projektarbeit ist ein dreibändiges Findbuch mit einem separaten Registerband sowie eine Online-Datenbank entstanden.
Die Erschließungsarbeit wurde in Abstimmung mit der Handschriftenabteilung in Berlin durchgeführt. Die Daten wurden vom Verbundsysteme KALLIOPE übernommen.

Projektleitung: Dr. Thomas Müller-Bahlke
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Jürgen Gröschl
Sachbearbeiter: Oliver Behn, Matthias Finke, Clemens Köhn, Hildegard Beßler
Projektzeitraum: 1.1.2000 bis 31.12.2001 dfg_logo_schriftzug_blau

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8. Drucke der Reformationszeit in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Katalogisierung und Provenienzerschließung

Auf dem Territorium des Landes Sachsen-Anhalt, dem Kernland der Reformation, gibt es zahlreiche große und kleine Bibliotheken mit historischem Buchbestand, darunter die Ende des 17. Jahrhunderts von August Hermann Francke gegründete Bibliothek des Halleschen Waisenhauses, heute Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. August Hermann Franckes Wirken in Halle zielte darauf, das Anliegen Martin Luthers, die christliche Reform aller Stände und Bildungsschichten, weiterzuentwickeln und zu vollenden. Dazu zählte auch die Errichtung einer öffentlich zugänglichen Bibliothek. In dieser befinden sich heute aus dem 16. Jahrhundert etwa 8.000 Drucke, die zum Teil interessante handschriftliche Notizen, sogar von Luther selbst, enthalten. Im Rahmen des zweijährigen Projekts, das im ersten Projektjahr vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gefördert wird, werden die Drucke in den überregionalen Katalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds katalogisiert und mit allen erkennbaren Provenienzen verzeichnet. Damit wird nicht nur das Wissen um das Schriftgut zur Reformation auf dem Territorium des Landes Sachsen-Anhalt erweitert, sondern auch eine gute Grundlage zur Vorbereitung einer Ausstellung in Kooperation mit der Marienbibliothek in Halle gelegt, die im Rahmen der Lutherdekade 2016/17 in den Franckeschen Stiftungen präsentiert werden soll.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbetreuung: Anke Mies
Projektbearbeiterin: Mirjam Juliane Pohl
Projektlaufzeit: 2014-2015

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9. Die Privatbibliothek August Hermann Franckes. Ihre Rekonstruktion auf der Grundlage des Auktionskatalogs von 1770

Die Titel der Privatbibliothek August Hermann Franckes und seines Sohnes Gotthilf August Francke sind auf der Grundlage des gedruckten Auktionskatalogs von 1770 im Rahmen eines vom Land Sachsen-Anhalt finanzierten Projekts ermittelt und in einer Datenbank verzeichnet worden. Die Datenbank wird in das Francke-Portal integriert. Mit der Rekonstruktion der Privatbibliothek des Vaters und Sohns Franckes wird ein Einblick in ihre Gedankenwelt, ihre religiösen, pädagogischen und sozialen Interessen und weltweiten Kontakte, die die Titel, die Sprachen und die Druckorte der Bücher widerspiegeln, nicht nur Wissenschaftlern, sondern auch interessierten Laien vermittelt.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbetreuung: Anke Mies
Projektbearbeitung: Dr. Christoph Schmitt-Maaß
Laufzeit: 01.07.2012 bis 30.09.2013

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10. Bibliographie der Verlagsproduktion des Waisenhauses (1698–1785)

Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen besitzt eine Sondersammlung mit Literatur, die im Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses produziert worden ist. Mit der Buchhandlung, die wie die Stiftungen 1698 gegründet worden ist, war von Anfang an der Verlag verbunden, in dem bedeutende theologische, pädagogische, wissenschaftliche und regionalkundliche Literatur verlegt wurde, die weder in der Bibliothek vollständig vorhanden noch an anderer Stelle verzeichnet ist.
Ziel des Projekts war es, erstmalig die Buchproduktion des Verlags von seiner Gründung 1698 bis zum Jahre 1785 bibliographisch zu erfassen. Alle Titel sollten so lückenlos wie möglich anhand von Katalogen, Verbunddatenbanken und Schrifttumsverzeichnissen ermittelt und nach bibliothekarischen Regeln erschlossen werden.
Die Bibliographie der Verlagsproduktion zwischen 1698 und 1728 wurde als Band 10 in der Reihe "Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien" unter dem Titel "Der Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses zu Halle. Bibliographie der Drucke 1698–1728", Tübingen 2010, von Brigitte Klosterberg und Anke Mies herausgegeben. Die Datenbank kann im Katalograum des Studienzentrums eingesehen werden. Die Katalogdaten für den Zeitraum 1729 bis 1785 müssen zu einem späteren Zeitpunkt weiter überarbeitet werden.
Mit dieser erstmaligen Verzeichnung der Verlagsproduktion dieses traditionsreichen, mit der Geschichte Halles und der Franckeschen Stiftungen eng verbundenen Verlags wird ein maßgeblicher Beitrag zur Verlags-, Kultur-, Regional- und Wissenschaftsgeschichte des mitteldeutschen Raums und damit eine Grundlage für künftige Forschungen geliefert.
Das Projekt wurde durch Mittel der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, des Regierungspräsidiums in Halle und der Ernst-Hellmut-Vits-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft finanziert.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg, Anke Mies
Wissenschaftliche Hilfskraft: Mirjam Juliane Frank
Studentische Hilfskraft: Yvonne Kalle
Projektzeitraum: 1999–2011

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11. Edition der Briefe von Johann Martin Boltzius

In einem Kooperationsprojekt mit der Georgia Salzburger Society in Savannah (Georgia) wurden Briefe des ersten lutherischen Pfarrers in Georgia, Johann Martin Boltzius (1703–1765), für eine englischsprachige Edition vorbereitet. Boltzius, der in Halle Theologie studiert hatte und als Inspektor in den Franckeschen Stiftungen wirkte, war Seelsorger der Salzburger Emigranten, die seit 1734 in Nordamerika eine neue Heimat fanden. In Ebenezer bei Savannah bauten sie unter seiner Leitung ihre Gemeinde auf. Der vom halleschen Pietismus geprägte Boltzius engagierte sich nicht nur auf geistlichem, sondern auch auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet für die Salzburger Auswanderer. Er stand im regen Briefwechsel mit den europäischen Verwaltern der Kolonie. Von Halle wurde der Gemeindeaufbau aktiv durch Spenden, Medikamenten- und Büchersendungen unterstützt. Boltzius genießt noch heute unter den amerikanischen Lutheranern und den Nachfahren der Salzburger Siedler in Georgia hohes Ansehen. Ca. 1100 Briefe und Tagebücher im Missionsarchiv der Franckeschen Stiftungen zeugen von diesem wichtigen Abschnitt in der frühen Kolonialgeschichte Nordamerikas. Aus diesem umfangreichen Material sind 150 Briefe für eine Edition ausgewählt worden. Die Briefe wurden zunächst im Stiftungsarchiv transkribiert und anschließend in Georgia ins Englische übersetzt. Sie umfassen den Zeitraum vom Beginn der Ausreise der ersten Emigranten im Jahr 1733 bis zum Tod von Boltzius im Jahr 1765. Ein umfangreicher, gemeinsam erarbeiteter Kommentarteil ergänzt das zweibändige Werk.

Projektleitung: Vincent C. Exley (Savannah)
Projektbetreuung: Dr. Jürgen Gröschl
Wiss. Mitarbeiter: Dr. Karsten Hommel (Leipzig), Dr. Russell Kleckley (Minneapolis)
Projektdauer: November 2006 bis Juni 2009

Veröffentlichung:
The letters of Johann Martin Boltzius, Lutheran Pastor in Ebenezer, Georgia. German pietist in colonial America, 1733-1765. Ed. and transl. by Russel C. Kleckley in collaboration with Jürgen Gröschl. Lewiston [u.a.] 2009.

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12. Waisenhaus-Kataster

In dem vom Freundeskreis der Franckeschen Stiftungen geförderten Projekt wurden die Waisenhausgründungen in Deutschland vom Ende des Dreißigjährigen Kriegs bis zum Ende des Alten Reichs in einer Datenbank erfasst. Dazu wurden die einschlägige Primär- und Sekundärliteratur sowie archivalische Quellen ausgewertet. Aufgenommen wurden u.a. Angaben über den Gründer und die Privilegierung, angeschlossene soziale, pädagogische und wirtschaftliche Einrichtungen, Zöglinge und Lehrer, Gebäude und Finanzierung. Ein wichtiger Gesichtspunkt war dabei die Charakterisierung des Bezugs zum halleschen Waisenhaus. Damit leistete das Projekt einen Beitrag zur Vorbereitung des Themenjahrs 2009 "Fürsorge und gesellschaftliche Verantwortung" und hat grundlegende Voraussetzungen für die weitere Erforschung der Wirkungsgeschichte der Franckeschen Stiftungen geschaffen.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbetreuung: Dr. Jürgen Gröschl
Projektbearbeitung: Antje Faßhauer
Projektlaufzeit: Mai 2007 bis März 2009

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13. Digitalisierung der "Halleschen Berichte"

Die unter dem Namen "Hallesche Berichte" bekannten, periodisch erschienenen Missionsberichte aus Indien im 18. Jahrhundert gelten als erste protestantische Missionszeitschrift. 1710 wurden diese Berichte erstmals unter dem Namen "Der Königlich dänischen Missionarien aus Ost=Indien eingesandter ausführlichen Berichten erster Theil, Halle 1710" veröffentlicht. Diesem ersten Bericht folgten 108 Zeitschriftenhefte bis zum Jahr 1772, die in der Buchhandlung des Halleschen Waisenhauses verlegt wurden. Der Gesamtumfang des von 1710 bis 1772 erschienenen Periodikums beträgt zirka 17.500 Seiten. Neben Textseiten finden sich 33 Seiten mit Kupferstichen, Tafeln und Karten, die zum Teil aufklappbar sind.
Die "Halleschen Berichte" sind im sogenannten Hybridverfahren von der Firma Mikro-Univers im Auftrag der Franckeschen Stiftungen verfilmt und digitalisiert worden und können online eingesehen werden.

Zeitraum: Oktober 2004 bis Januar 2005

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14. Katalogisierung der Cansteinschen Bibelsammlung

Die nach ihrem Förderer Carl Hildebrand von Canstein (1667–1719) benannte, 1710 begründete erste Bibelanstalt der Welt war eines der ertragreichsten Unternehmen des Halleschen Waisenhauses. Da für August Hermann Francke die Bibel im Mittelpunkt eines jeden frommen Lebens stand, beschäftigte er sich mit der Möglichkeit, preiswert Bibeln herzustellen, so dass sie für jedermann erschwinglich waren. In Carl Hildebrand von Canstein fand Francke einen Gönner und Förderer seiner Idee, Bibeln vom stehenden Satz zu drucken. Der Erfolg der Bibelanstalt war außerordentlich groß und ebbte erst Anfang des 20. Jahrhunderts ab. Insgesamt konnten zwischen 1712 und 1934 etwa 8 Millionen Bibeln und Neue Testamente aus der Cansteinschen Bibelanstalt verkauft werden.
Die Belegexemplare der verschiedenen Bibelausgaben bilden den Grundstock der Cansteinschen Bibelsammlung, die heute eine Sondersammlung der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen darstellt. Der Sammlung zugehörig sind auch Bibelübersetzungen, die der Bibelanstalt von verschiedenen Bibelgesellschaften, in erster Linie von der Englischen Bibelgesellschaft, geschenkt wurden. Deshalb sind nicht nur deutschsprachige Bibeln, sondern Bibeln in 99 Sprachen (so z.B. in Äthiopisch, Japanisch, Kalmückisch, Koptisch, Mandarin, Swahili, Sanskrit, Walisisch und Zulu) in der Cansteinschen Bibelsammlung enthalten. Diese fremdsprachigen Bibeln machen heute den besonderen Reiz dieser Sammlung aus.
In der Sondersammlung sind insgesamt 1.655 Canstein-Bibeln vorhanden. Damit handelt es sich um eine deutschlandweit einmalige geschlossene Sammlung der verschiedenen Ausgaben der Canstein-Bibeln. Hinzu kommen 429 Bibeln, darunter Luther-Bibeln aus dem 16. Jahrhundert und die Bibelübersetzungen, die die Bibelanstalt im Tausch oder durch Geschenk erhalten hat. Die Bibelsammlung war nur unzureichend und unvollständig in einem Zettelkatalog erschlossen und damit für die Nutzer nicht optimal zugänglich. Deshalb war eine nach bibliothekarischen Standards zu leistende Katalogisierung der Bibeln ein dringendes Desiderat.
Ziel des Projekts war die erstmalige Katalogisierung der Bibeln nach den Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK) in den elektronischen Katalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV), so dass die Bibeln überregional nachgewiesen wurden. Um eine Gesamtschau aller in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen vorhandenen Bibeln zu erhalten, wurden auch die in anderen Beständen der Bibliothek vorhandenen Bibelausgaben katalogisiert. Es handelt sich zusätzlich um 322 Bibeln in 30 Sprachen.
Das Drittmittelprojekt wurde mit Geldern von Einrichtungen der evangelischen Kirche, u.a. der Stiftung Bibel und Kultur, der Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) und der Kirchenprovinz Sachsen finanziert.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbearbeitung: Gerald Reeke
Projektzeitraum: 2004

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15. Orientalische Handschriften

Im Archiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle werden hebräische, altsyrische, arabische, persische und (osmanisch-)türkische Handschriften aus drei Jahrhunderten, vornehmlich dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, aufbewahrt. Diese einzigartigen handschriftlichen Quellen aus verschiedenen Ländern des Orients sind im Laufe des 18. Jahrhunderts auf sehr unterschiedlichen Wegen nach Halle in den Besitz der Glauchaschen Anstalten gelangt. Die Mehrzahl – Korane, Korankommentare, Gebetbücher, Werke des islamischen Rechts und der islamischen Geschichte, der Mystik, Logik, Philologie, Lexikologie und Kalligraphie sowie Werke der arabischen, persischen und [osmanisch-]türkischen Literatur – wurde im 17. Jahrhundert in den Türkenkriegen erbeutet und von ihren späteren Besitzern den Direktoren des Halleschen Waisenhauses, dem Collegium Orientale Theologicum oder dem Institutum Judaicum et Muhammedicum als Geschenk übergeben. Ein nicht geringer Teil der Handschriften ist in den Glauchaschen Anstalten selbst entstanden. Dabei handelt es sich vorwiegend um Abschriften orientalischer Originalhandschriften, Übersetzungen christlicher Schriften, Grammatiken, Glossare und Schreibübungen.
In den Jahren 2001 bis 2003 wurden die im Haupt- und Missionsarchiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle aufbewahrten orientalischen Handschriften gesichtet und nach modernen Standards neu verzeichnet. Ergebnis dieser Arbeiten ist der Katalog "Orientalische Handschriften im Archiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle", in dem alle hebräischen, altsyrischen, arabischen, persischen und (osmanisch-)türkischen Handschriften unter kritischer Berücksichtigung des von dem Leipziger Orientalisten August Müller 1876 verfassten Verzeichnisses der orientalischen Handschriften der Bibliothek des Halleschen Waisenhauses ausführlich beschrieben worden sind.
Die Erschließungsergebnisse wurden sowohl in einer Online-Datenbank als auch in einem Findbuch aufbereitet. Zusätzlich zu dem gedruckten Repertorium kann der Katalog auch als Gesamtdokument im Internet abgerufen werden. Fachwissenschaftler und eine interessierte Öffentlichkeit erhalten so umfangreiche Recherchemöglichkeiten, die ihnen einen umfassenden Einblick in die orientalischen Handschriftenbestände des Archivs der Franckeschen Stiftungen gewähren.

Projektleitung: Dr. Thomas Müller-Bahlke
Projektmitarbeiterin: Dr. Erika Pabst
Projektzeitraum: 2001–2003

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16. Erschließung der Tamil-Manuskripte

1706 begann in der kleinen dänischen Handelskolonie Tranquebar in Südindien die Dänisch-Hallesche Mission. Die beiden ersten Missionare waren Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich Plütschau, die beide dem Halleschen Waisenhaus eng verbunden waren. Die Korrespondenzen und Journale der Dänisch-Halleschen Mission, die bis in das 19. Jahrhundert reichen, bilden heute die Indienabteilung im Missionsarchiv der Franckeschen Stiftungen. Im Rahmen der Missionsarbeit gelangten auch indischsprachige Manuskripte nach Halle, überwiegend in Tamil und Telugu. Ein Großteil dieser Manuskripte befindet sich in der Palmblatthandschriftensammlung des Archivs.
Ziegenbalg und seine Nachfolger beschäftigten sich intensiv mit dem südindischen Kulturkreis. Sie widmeten sich auch der Übersetzung von Bibeltexten, Kirchenliedern, Gebeten und wichtigen pietistischen Schriften in die Landessprachen. Die Übersetzungen brachten sie jedoch nicht zu Papier, sondern in die landesübliche Literaturform, auf Palmblätter. Das erleichterte ihnen den Zugang zu ihren indischen Zuhörern, denen sie so die christliche Botschaft mittels eines Mediums nahe brachten, das ihnen vertraut war. Auf diese Weise entstand eine große Anzahl indischsprachiger Palmblattmanuskripte. Die Missionare schickten sie als Belege ihrer Arbeit zurück nach Europa. In Halle wurden sie sorgsam aufbewahrt und zunächst als Kuriosität im Kunst- und Naturalienkabinett des Waisenhauses gezeigt, später an die Hauptbibliothek abgegeben und schließlich in das Archiv überführt. Dort werden sie heute mit insgesamt etwa 100 Bündeln Tamilmanuskripten und 160 Bündeln Telugumanuskripten als größte europäische Sammlung dieser Art aufbewahrt. Weitere tamilsprachige Dokumente befinden sich als Papiermanuskripte in den regulären Faszikeln des Missionsarchivs.
Im Rahmen der Kooperation zwischen den Franckeschen Stiftungen und dem Gurukul Lutheran Theological College in Indien erschloss Dr. Daniel Jeyaraj alle tamilsprachigen Manuskripte im Stiftungsarchiv. Das Ergebnis sind drei Kataloge, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Projektleitung: Dr. Thomas Müller-Bahlke
Projektmitarbeiter: Dr. Daniel Jeyaraj, Dr. Erika Pabst
Projektzeitraum: 1998, 2003

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17. Hungarica-Sammlung / Abt. Porträts

Die Franckeschen Stiftungen erschließen in Kooperation mit der Széchényi Nationalbibliothek Budapest die Hungarica in den Beständen der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Die beiden Einrichtungen leisten damit gemeinsam einen Beitrag zur Erforschung der hallisch-ungarischen Beziehungen, die vor dreihundert Jahren durch August Hermann Francke befördert wurden. In einer ersten Publikation sind die ungarischen Porträts aus der umfangreichen Porträtsammlung der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen, die 1756 von Jacob Gottfried Bötticher, dem Inspektor der Waisenhaus-Buchhandlung, der Bibliothek vermacht worden ist, verzeichnet. In einleitenden Kapiteln werden die Geschichte der Porträtsammlung und der ungarische Bezug der Porträts beschrieben. Der Katalog bietet neben der Abbildung der Porträts eine Porträtbeschreibung mit einer Kurzbiografie zu den dargestellten Personen.

Projektleitung: Dr. István Monok, Dr. Britta Klosterberg
Projektbearbeitung: Attila Verók, Dr. György Rózsa
Projektzeitraum: 2001–2002

Publikation: Die Hungarica-Sammlung der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Hrsg. von Brigitte Klosterberg und István Monok. Teil 1: Porträts. Bearbeitet von Attila Verók und György Rósza. Tübingen 2004 (Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien; 7).

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18. Quellenbestände der Indienmission 1700–1918 in Archiven des deutschsprachigen Raums

Die Idee, europäische Quellenbestände der Indienmission in einer Bestandsübersicht zusammenzufassen, entstand Im Herbst 1999 am Rande einer Tagung in Oxford, die sich mit dem christlich geprägten interkulturellen Austausch zwischen Indien und Europa befasste. Das Archiv der Franckeschen Stiftungen übernahm daraufhin die Erarbeitung einer solchen Übersicht für den deutschsprachigen Raum. Ziel war es, die einschlägigen Archivstandorte im deutschsprachigen Raum zu erfassen und die dort vorhandenen Quellenbestände kurz vorzustellen.
Die nun vorliegende Bestandübersicht ist das Ergebnis einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen dem Stiftungsarchiv und den Missions- und Ordensarchiven in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Missionswissenschaftlern, Historikern, Theologen und Vertretern kirchlicher Einrichtungen. Die Bestandsübersicht gibt Auskunft über Zeit und Region der Missionstätigkeit, über die Geschichte der Mission und die in den Missions- und Ordensarchiven aufbewahrten handschriftlichen und gedruckten Quellen, Sach-, Bildquellen und Nachlässe. Darüber hinaus enthält sie aktuelle Benutzerinformationen zu den Archiven und den mit ihnen verbundenen Bibliotheken. Diesen Bestandsangaben ist jeweils ein Essay vorangestellt, der in die Geschichte jeder einzelnen Mission einführt.

Projektleitung: Dr. Thomas Müller-Bahlke
Projektbeirat: PD Dr. Hugald Grafe (Hildesheim), PD Dr. Michael Bergunder (Heidelberg), Dr. Heike Liebau (Berlin)
Projektmitarbeiterin: Dr. Erika Pabst
Projektzeitraum: 1999–2001

Publikation: Quellenbestände der Indienmission 1700–1918 in Archiven des deutschsprachigen Raums. Hrsg. von Erika Pabst und Thomas Müller-Bahlke. Tübingen 2005 (Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien; 9).

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19. Bio-bibliographisches Register zum Hauptarchiv

Projektziel war die Erstellung eines bio-bibliographischen Verzeichnisses aller Verfasser, von denen Handschriften im Hauptarchiv vorhanden sind. Es handelt sich hierbei um zirka 6.500 Personen, deren Lebensdaten ermittelt werden mussten.
Im Dezember 1993 wurde dieses Projekt zur Endbearbeitung an das Archiv der Franckeschen Stiftungen übergeben. Hier erfolgte die Eingabe der Daten in ein eigens dafür entwickeltes Computerprogramm, angefangen von jeder einzelnen Handschrift bis hin zu detaillierten Literaturangaben. Die vorhandenen Biographien wurden überarbeitet und fehlende Daten ergänzt.
Ende 1999 waren die Arbeiten an diesem Register soweit abgeschlossen, dass zunächst eine stark gekürzte Druckfassung veröffentlicht wurde. 2001 wurde das Register auf der Homepage der Franckeschen Stiftungen online gestellt. Seit 2009 können bio-bibliographische Daten für Personen aller historischen Archivabteilungen über eine Datenbank abgerufen werden, soweit sie im Zuge von Erschließungsprojekten ermittelt wurden. Der Benutzer kann mit dem Archiv in Verbindung treten, um gemeinsam mit den Archivaren die Daten zu aktualisieren und zu vervollständigen.
Mit diesem Projekt steht der Forschung eine umfangreiche Recherchemöglichkeit zum biographischen Umfeld des Halleschen Pietismus zur Verfügung.

Projektleitung: Prof. Dr. Rolf Lieberwirth, Sächsische Akademie der Wissenschaften
Projektmitarbeiterin: Carmela Keller, M.A.
Projektzeitraum: 1993–1999
Publikation: Biographisches Register zum Hauptarchiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle (Saale). Hrsg. von Rolf Lieberwirth. Stuttgart: Steiner, 2000.

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20. Böttichersche Porträtsammlung

Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen besitzt eine 13.000 Blätter umfassende Porträtsammlung, die der Inspektor der Buchhandlung des halleschen Waisenhauses Jakob Gottfried Bötticher 1756 der Bibliothek vermacht hat. Die Porträts bekannter und wichtiger Persönlichkeiten, hauptsächlich des 17. und 18. Jahrhunderts, ergänzen auf ideale Weise den historischen Buchbestand der Bibliothek. Der besondere Reiz der Sammlung liegt in den von Bötticher selbst verfassten Versen, die er unter die Porträts geschrieben hat.
Sämtliche Porträts der Sammlung sind in einer Datenbank verzeichnet und nach einem Schema bearbeitet, das alle wesentlichen Elemente einer Porträtbeschreibung enthält: Signatur, Name, Lebensdaten und Beruf des Dargestellten, Stecher und Zeichner bzw. Maler der Vorlage, Impressum, Größe, Wiedergabe der Bötticherschen Verse. Zu jedem Porträt kann ein Digitalisat in der Datenbank aufgerufen werden.

Projektleitung: Dr. Britta Klosterberg
Projektbearbeitung: Dipl.-Bibl. Rhea Matschke
Projektzeitraum: 1996–1999
Publikation: Rhea Matschke: "Du fragst wen stellet doch dis schöne Kupfer für..." Die Porträtsammlung der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Halle 2003. (Kleine Schriftenreihe der Franckeschen Stiftungen; 3)

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21. Neuverzeichnung der Georgia-Abteilung des Missionsarchivs

Briefe und Tagebücher, im Missionsarchiv der Franckeschen Stiftungen über Jahrhunderte sorgsam aufbewahrt, dokumentieren das Schicksal der Salzburger Glaubensflüchtlinge, die unter der Leitung Hallescher Pietisten 1734 in Georgia die erste lutherische Gemeinde Georgias gründeten. Die Beziehungen nach Halle setzten sich über mehrere Generationen bis in das 19. Jahrhundert fort.
Das in zweijähriger Projektarbeit in Kooperation mit der Georgia Salzburger Society Savannah entstandene Find- und Lesebuch erschließt die 1.067 Handschriften in der Georgia-Abteilung des Missionsarchivs. Es bietet vielfältiges neues Material für Forschungen zur Kirchen- und Gesellschaftsgeschichte, zu Wirtschaft, Pädagogik, Medizin und vielem mehr.
Die Schriftstücke wurden vollständig neu verzeichnet, chronologisch geordnet und in Form deutsch- und englischsprachiger Inhaltsangaben erfasst. Das Namensregister umfasst über 2.200 Personen.

Projektleitung: Dr. Thomas Müller-Bahlke
Projektmitarbeiter: Dr. Jürgen Gröschl, Dr. Wolfgang Krüger
Projektzeitraum: 1997-1999
Publikation: Salzburg – Halle – Nordamerika. Ein zweisprachiges Find- und Lesebuch zum Georgia-Archiv der Franckeschen Stiftungen. Mit einer Einleitung von Hermann Winde. Hrsg. von Thomas J. Müller-Bahlke und Jürgen Gröschl in Verbindung mit der Georgia Salzburger Society. Tübingen 1999 (Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien; 4).

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