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Adventskalender

Hinter 24 Türchen gibt der Kalender Einblicke in die ehemalige Schulstadt August Hermann Franckes.

Adventskalender 

In der Adventszeit laden wir Sie täglich zu einer Reise in die Franckeschen Stiftungen ein. 24 Tage erzählen wir die Geschichte des Halleschen Waisenhauses von seinen Anfängen bis in die Gegenwart.MerkenMerken

22. Türchen

Halle und Russland

22  Die Reformpolitik Peters des Großen (1672–1725) machten die Verbindungen Halles nach Russland möglich. Zur Umgestaltung seines Reichs in einen modernen weltlichen Großstaat war der Zar auf westliche Berater angewiesen, die vor allem das höhere Bildungswesen aufbauen halfen. So leitete Laurentius Blumentrost (1692–1755), dessen Hauslehrer der hallische Gesandte Justus Samuel Scharschmidt (1664–1727) gewesen war, den Aufbau der Russischen Akademie der Wissenschaften und wurde ihr Gründungspräsident. Schüler und Lehrer aus Franckes Schulen wirkten in St. Petersburg und Moskau bis nach Sibirien als Mediziner, Hauslehrer, Pastoren und Beamte. Sie schufen ein Netzwerk, an dem auch hallesche Wissenschaftler, wie der Informator am Halleschen Waisenhaus Georg Wilhelm Steller (1709–1746), teilhatten. Steller begleitete Vitus Behring (1681–1741) auf der zweiten Kamtschatka-Expedition. Bis heute trägt die Stellersche Seekuh seinen Namen. In Narva, Astrachan sowie Tobolsk entstanden Waisenhäuser nach halleschem Vorbild.

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Terra incognita Sibirien. Die Anfänge der wissenschaftlichen Erforschung Sibiriens unter Mitwirkung deutscher Wissenschaftler im 18. Jahrhundert.

21. Türchen

Halle und Indien

21  Viele ehemalige Schüler und Lehrer an Franckes Schulen wirkten im Ausland. Wahrscheinlich am weitesten entfernt arbeiteten die Missionare der Dänisch-Halleschen Mission. 1706 erreichten Bartholomäus Ziegenbalg (1682–1719) und Heinrich Plütschau (1676–1747) nach abenteuerlicher Überfahrt die Südostküste Indiens. In der dänischen Handelskolonie Tranquebar errichteten sie eine Missionsstation, die sich am hallischen Vorbild orientierte. So wurden die Kinder in den Schulen zunächst auch im Strümpfestricken unterrichtet. Aufmerksam beobachteten die in Halle ausgebildeten Theologen die Kultur vor Ort und passten den Unterricht an. Die Schüler flochten Matten aus Kokosfasern und lernten in der Landessprache Tamil lesen und schreiben. Alles, was die Missionare vor Ort erfuhren, berichteten sie nach Halle. Hier gab August Hermann Francke diese Informationen aus erster Hand in der Zeitschrift „Hallische Berichte“ heraus, die später auch Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) las. 1726 erreichte das Waisenhaus ein Götzenkästchen mit folgender Beschreibung: „Solchen Kasten hatte obbenannte Frau an einem gewissen Orte in ihrem Hause stehen. Alle Freytage hat sie den Götzen verehret, und in der dabey gesetzten Schale Reiß vorgesetzt. Dabey legen sie sonst noch allerley Früchte, Butter, Honig, Mehl u.d.g.“ Ein Museum in den Räumen der Missionsstation in Tranquebar soll zukünftig an den Kulturdialog erinnern.

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Vishnus Weltentraum. Geheimnisse des Indienschrankes in der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen. Hrsg. von Aletta Leipold. Halle 2007; ISBN 978-3-931479-83-1, S. 35

20. Türchen

Die zweite Reformation

Historischen Bibliothek-Archivtruhen  Die gesellschaftlichen Impulse der Reformation Martin Luthers wurden durch den Halleschen Pietismus bis tief in die Gesellschaft hinein weltweit wirksam: Franckes pädagogische Reformen berührten heute noch höchst aktuelle Themen wie gesellschaftliche Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit. Eine zentrale Forderung Martin Luthers löste Francke mit dem ersten Bibelwerk, der 1710 am Halleschen Waisenhaus gegründeten Cansteinschen Bibelanstalt, ein. Rund 8 Millionen Bibeln wurden bis 1938 in Halle gedruckt und verteilt. Die Wiege der Anstaltsdiakonie, der erste Schulgarten Deutschlands und der Beginn des Realschulwesens sind in Halle festzumachen. Die Reformen Franckes wurden international wahrgenommen und fortgeführt. Hallesche Emissäre in Südindien errichteten die erste nachhaltige lutherische Mission, aus der 1919 die Tamil Evangelical Lutheran Church (TELC) hervorging. Auch die Kontakte Franckes zu den britischen Kolonien in Nordamerika trugen Früchte. 1741 wurde Heinrich Melchior Mühlenberg von Halle nach Philadelphia entsandt. Er gilt heute als Patriarch der evangelisch-lutherischen Kirche Nordamerikas (ELCA).

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www.francke-halle.de/luther2017

19. Türchen

Die Kulissenbibliothek

19  Bücher waren im 18. Jahrhundert sehr wertvoll und nur wenige, meist gelehrte Menschen, besaßen Bücher zuhause. Auch gab es noch keine öffentlichen Bibliotheken. Daher war es etwas Besonderes, dass Francke von Anfang an für seine Waisenhausschule eine Bibliothek unterhielt, deren Bücher für den Schulgebrauch genutzt werden konnten. Zuerst war die Sammlung in einem Zimmer im Waisenhaus untergebracht. Als aber immer mehr Bücher und Bücherschenkungen dazu kamen, entschloss sich Francke zu einem Neubau. 1728 wurde das aus Stein errichtete zweistöckige Gebäude fertiggestellt. Es gilt heute als ältester erhaltener freistehender Bibliotheksbau. In der Kulissenbibliothek im Obergeschoss sind die Bücherregale wie Theaterkulissen in den Raum gestellt. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1473. Es ist eine so genannte Inkunabel, ein Buch, das vor Gutenbergs Erfindung des modernen Buchdrucks entstand. Das mit 9,5 kg schwerste Buch der Sammlung ist eine Bibel, „die nach dem Autogramm auf dem Vorsatzblatt Prinz Anton Günther von Anhalt-Zerbst (1653–1714) am 10. Juni 1709 der Bibliothek des Waisenhauses geschenkt hat.“ In einem Brief an August Hermann Francke schrieb er: […] und hatt sie mihr auch im Felde und in Braband zum taglichen gebrauche gedienet.“

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Bibliothek_978-3-931479-99-2 Brigitte Klosterberg: Die Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Fotografien von Klaus E. Göltz. Halle 2007, ISBN 978-3-447-06984-7

18. Türchen

Armenfürsorge

15  Illustration: Barbara Dimanski In: Die Kinder des Waisenhauses in den Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale Im Juli 1698 veröffentlicht Francke eine Schrift mit dem Titel „Anstalten, die zur Verpflegung der Armen zu Glaucha an Halle gemachet sind“. Neben der Waisenversorgung stellt er hier auch die Schulen für arme Kinder und die Maßnahmen zur Betreuung ankommender fremder sowie einheimischer Bettler vor: „Für die einheimischen Armen aus der Vorstadt Glaucha insonderheit ist die Anordnung gemachet worden/ daß sie alle 4 Wochen/ nachdem es Sonntags vorher von der Cantzel abgekündigt/ in der gantzen Gemeinde in einer Procession ihre Almosen colligiren [sammeln]/ welche darnach ordentlich unter sie nebst einer nachdrücklichen Vermahnung ausgetheilet werden.“ In regelmäßigen „Armensprechstunden“ wurden mittellose Menschen unentgeltlich vom Anstaltsarzt untersucht und kostenlos mit Medikamenten aus der Anstaltsapotheke versorgt. Nach einer christlichen Unterweisung erhielten sie auch finanzielle Unterstützung durch die Anstalten.
Francke strebte an, den Staat für die Armenfürsorge in die Pflicht zu nehmen. 1698 verfasste er eine Almosenordnung für Glaucha, die als Vorbild für spätere städtische Armenordnungen diente. Außerdem inspirierte er Landesherren dazu, ein Armenwesen in ihren Territorien auszubauen. Häufig wurden sie dabei von Beamten unterstützt, die zuvor selbst durch Franckes Schulen gegangen waren.

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Anstalten, die zur Verpflegung der Armen zu Glaucha an Halle gemachet sind, § XXVI.

17. Türchen

Anschauungsunterricht

18  Eng verbunden mit der Kunst- und Naturalienkammer und deren Objekten war der Realienunterricht in Franckes Schulen. Hier wurde zunächst etwas zu einem bestimmten Thema gelesen, dann folgte die Demonstration am Modell. Ergänzend sah man sich Handwerks- und Gewerbebetriebe an. Zum Unterricht gehörten auch: Botanik, Zoologie, Anatomie, Experimentalphysik, Astronomie, Musik, Zeichnen, Schreibkunst, Medizin und Pharmazie. In den Recreationsstunden, der unterrichtsfreien Zeit, ruhten sich die Schüler bei nützlichen Beschäftigungen aus. Dazu zählte im Realienunterricht auch die Sternenkunde oder Astronomie. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wurden mathematische, astronomische, optische und andere physikalische Instrumente angeschafft. Zu unterschiedlichen Tageszeiten konnten die Kinder unter Anleitung eines Mathematikers an den Globen und Amillarsphären echte Himmelsbeobachtungen vornehmen.

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FliegendesKrokodil_klein Das fliegende Krokodil. Ein Mitmachbuch zur Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen zum Entdecken, Malen, Rätseln und Erforschen. Mit Zeichnungen von Matthias Beckmann. Halle 2014. ISBN 978-3-939922-47-6

16. Türchen

Die Wunderkammer

17  „Die Naturalien-Kammer des Waysenhauses enthält in sich eine Sammlung theils von Naturalien, welche, seit dem das Waysenhaus erbauet, meistentheils von Gönnern und Freunden verehret, theils von Artefactis, welche zum Besten der Schulen und Academie auf gewisse Veranlassung verfertigt worden; […] Als 1732 die Waysenknaben eines grössern Schlaf-Saals benöthiget, und solcher verfertiget war, ward der bisherige Schlaf-Saal darzu bestimmet, daß man alles, was zur Naturalien-Cammer zu rechnen, und in den verschiedenen Zimmern zerstreuet lag, dahin zusammen und in eine anständige Ordnung brachte, damit solches auf einmal übersehen werden könne.“
Im 17. und 18. Jahrhundert waren Kunst- und Naturalienkammern nichts Ungewöhnliches. In ganz Europa legten Adlige, aber auch Bürgerliche so genannte Wunderkammern an. Da es weder Fernsehen, noch Telefon oder Internet gab, holte man sein Wissen aus Büchern oder aus solchen Raritätenkammern. Die Kammer des Waisenhauses legte Francke mit Hilfe des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. an und nutzte sie für den Unterricht, aber auch um spendenwillige Besucher zu beeindrucken. Es kamen manchmal bis zu 60 Besucher täglich, denen die über 3000 Naturalien und Artefakte gezeigt wurden. Ab 1741 befand sich die Kammer im Dachgeschoss des Waisenhauses, im ehemaligen Schlafsaal der Waisenknaben. Die Wunderkammer des Halleschen Waisenhauses ist heute täglich außer montags zwischen 10 und 17 Uhr für Gäste geöffnet.

Wunderkammer_Cover LESETIPP

Thomas Müller-Bahlke: Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen. Fotografien von Klaus E. Göltz. ISBN 978-3-447-06986-1,

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15. Türchen

Essentia Dulcis

16  Apotheke und Buchhandlung waren die beiden Wirtschaftszweige, mit denen Francke gleichzeitig Geld einnehmen und Informationen über das Waisenhaus verbreiten konnte. Zu den beliebtesten Medikamenten zählte die Essentia Dulcis des Halleschen Waisenhauses. Auch der russische Zar in St. Petersburg schätzte das Getränk. Am 30. November 1716 notierte er in sein Tagebuch: „Die Frau Obristen von Campenhausen hat geschrieben, und Erinnerung gethan, daß die letztgesandte Essentia dulcis nicht so schiene zu seyn, wie die so Ihr. Czarische Mayst. vormals erhalten. daraus auch eine Probe mit gesandt worden. Hierauf istgeantwortet, daß diese noch beßer sey.“ Dem Goldwasser wurden besondere Kräfte zugeschrieben. Dieser „Goldtinktur“ wurde entsprechend der Position der Sonne im Zentrum des Planetensystems eine besondere Wirkung auf das Zentrum des menschlichen Organismus, das Herz, zugeschrieben. Das Rezept wurde streng gehütet und vor Fälschungen desselben gewarnt: „Alle vorgebliche Arzneymittel, die unter dem Namen der Hallischen Waisenhaus=Arzneyen von Reffträgern, Hausirern und Märkte beziehenden Arzney-Krämern feil geboten werden, sind falsche, betrügerische nachgemachte unächte Gemische, weil das Waisenhaus nie dergleichen Menschen herumsendet ...“

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Franckes Tagebücher im Francke-Portal: digital.francke-halle.de

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14. Türchen

Hygiene und Gesundheit

10  Illustration: Barbara Dimanski In: Die Kinder des Waisenhauses in den Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale Wenn 2.000 Kinder auf kleinstem Raum zusammenleben, muss die Hygiene streng beachtet werden. Bei Francke lernten die Kinder, dass man seinen Körper pflegen muss, um gesund zu bleiben. Kranke Kinder wurden in einem eigenen Krankenzimmer untergebracht. 1721 ließ Francke im südlichen Teil des Geländes eine Krankenanstalt für die Waisenkinder errichten. Als erstes Kinderkrankenhaus der Welt ist es bis heute einzigartig. Der berühmte Mediziner und Waisenhausarzt Johann Juncker (1679–1759) hatte bereits 1717 die systematische Ausbildung der Studenten am Krankenbett eingeführt, die es bis dahin nur an den Universitäten in Leiden und Wien gab. Auch eine Armensprechstunde wurde abgehalten, um allen Menschen eine grundlegende medizinische Versorgung zugutekommen zu lassen. Der Waisenhausarzt Christian Friedrich Richter (1676–1711) publizierte sogar einen handlichen Wegweiser zur Gesunderhaltung des Körpers im Verlag des Waisenhauses. Der „Kurtze und deutliche Unterricht von dem Leibe und dem natürlichen Leben des Menschen“ war so beliebt, dass zwischen 1705 und 1791 18 Auflagen in Halle gedruckt wurden.

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Cornelia Jäger: Vom Hortus Medicus zur modernen Umweltbildung. Die Geschichte der Schulgärten in den Franckeschen Stiftungen. Halle 2013 (Kleine Schriftenreihe der Franckeschen Stiftungen, 13), ISBN 978-3-939922-41-4

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13. Türchen

Gäste im Waisenhaus

14  Franckes Tagebuch verzeichnet fast täglich Besuche und Gespräche mit interessierten Gästen. Zu ihm kamen Adlige als Förderer und Unterstützer, Hilfesuchende und Freunde. Als Professor an der Universität war er regelmäßig mit den Studenten in Kontakt. Bei Tisch reichte er ein Getränk, das als Francke-Trunk zu besonderen Anlässen noch heute im Waisenhaus ausgeschenkt wird. Heinrich Milde, enger Mitarbeiter Franckes, der sich besonders mit den Sprachen und der Literatur Mittel- Osteuropas beschäftigte, verriet 1720 in einem Brief das Rezept: „Den Tranck, so der H. Prof. Francke anstat des Bieres bey Tische gebrauchet, betreffend, berichte, daß zu Sechs Kannen Wasser pfleget für Einen Groschen Zimmet, und die Schale von einer Citron genommen zu werden. Wenn das Waßer anfänget zukochen, so thut man beydes hinein und läßt es fein sieden. Drauf wird es zurückgenommen, und bleibet stehen, bis es sich gesetzet hat, hernach gießet man es ab und trinckets.“

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Die Welt verändern. August Hermann Francke - Ein Lebenswerk um 1700. Katalog zur Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen vom 24. März bis 21. Juli 2013. Hrsg. von Holger Zaunstöck, Thomas Müller-Bahlke und Claus Veltmann. Halle 2013. ISBN 978-3-447-06889-5

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12. Türchen

Der Besuch des Königs!

13  Am 12. April 1713 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Schulstadt August Hermann Franckes, um das Werk zu besichtigen, das so viel Aufsehen in seinem Land erregte und weit über dessen Grenzen hinaus berühmt war. Es war der Antrittsbesuch des neuen Kurfürsten und Königs in Halle. Sein Vater Friedrich I. hatte dem Waisenhaus umfangreiche Privilegien eingeräumt und den Aufbau der Franckeschen Stiftungen tatkräftig unterstützt. Würde dies unter dem neuen Regiment so weitergehen? Für August Hermann Francke war der Antrittsbesuch von größter Brisanz. Am Ende des Rundgangs hatte er den Monarchen mit seiner Idee und den Gebäuden beeindruckt: „Wer ist im zuwider? Sage Er es mir nur. Wer ist ihm zuwider? Schreibe er mir nur, wenn Er ein Anliegen hat, ich will sein Procurator sein.“
Wir wissen heute genau, welchen Weg die Führung nahm und worüber Francke und der König sprachen. Ein Chronist begleitete die Gesellschaft und erstellte ein Gesprächsprotokoll. Dieses handschriftliche Manuskript befindet sich im Archiv der Stiftungen und wird seit 2013 unter der Regie und schauspielerischen Mitwirkung von Matthias Brenner als Theaterführung durch das Waisenhaus in Szene gesetzt.

Dialog  LESETIPP

Pietist und Preußenkönig. Ein Dialog aus dem Jahr 1713. Vorwort von Thomas Müller-Bahlke. 2. Auflage. Halle 2012. 16 S., € 2,50; ISBN 978-3-931479-62-6, S. 13

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11. Türchen

Grundnahrungsmittel: Brot

12  Eine zentrale Bedeutung für die Ernährung der Schüler, Lehrer und Angestellten der Franckeschen Stiftungen hatte das Brot. 1709 wurde eine Backstube im Englischen Haus eingerichtet, 1716 musste schon ein größeres Brau- und Backhaus gebaut werden. Mit der steigenden Zahl der zu versorgenden Schüler mussten die Kapazitäten stetig ausgebaut werden. Seit 1741 wurde im Brau- und Backhaus (heute Haus 37–39) mehrmals in der Woche Brot gebacken. Der Holzbackofen diente bis ins 19. Jahrhundert hinein zur Versorgung der 3.000 Menschen in den Franckeschen Stiftungen. Das Wissen über die Existenz des Ofens blieb trotz unterschiedlicher Nutzungen des Gebäudes im 19. und 20. Jahrhundert erhalten. Grundlegenden Restaurierungen seit 2010 erlaubten es, den Ofen wieder in Betrieb zu nehmen und eine arbeitsfähige Backstube einzurichten, um historisches Handwerk einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit seinem Umfang von ca. 4 Metern Tiefe und 2 Metern Breite und dem gänzlich erhaltenen historischen Gewölbe und Zugwerk stellt der Ofen heute eine Einzigartigkeit in Mitteldeutschland dar.

Rundgang_Bahlke-Baron LESETIPP

Das Hallesche Waisenhaus. Die Franckeschen Stiftungen mit ihren Sehenswürdigkeiten. Hrsg. von Thomas Müller-Bahlke. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Halle 2015; ISBN 978-3-447-10257-5

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10. Türchen

Essen und Trinken

11  Gemeinsame Mahlzeiten waren von Beginn an wichtiger Bestandteil in August Hermann Franckes ganzheitlichem Bildungskonzept. Die Vermittlung guter Manieren und anderer tugendhafter Grundwerte hatte er hierbei im Blick. Um die über 2.000 Menschen seiner Schulstadt verpflegen zu können, wurde 1711 ein großer Speisesaal eingerichtet. Hier befanden sich auch die Küche mit den Speisekammern, die Backstube, Gesinderäume und darunter Vorratskeller. Höchst modern und ungewöhnlich komfortabel verfügte die Küche über fließend Wasser aus einem technisch ausgeklügelten Leitungssystem, das aus der anstaltseigenen Trinkwassergewinnung gespeist und aus größerer Entfernung herangeführt wurde. Der Speisesaal selbst besaß an der Südseite drei mächtige Kachelöfen, an der Nordseite drei Eingangstüren und in der Mitte einen breiten Gang. Die Lebensmittel wurden in den Gärten und auf den Gütern außerhalb Halles hergestellt, im Brau- und Backhaus oder einem Schlachthaus verarbeitet und in der Küche zubereitet. Ein spannendes Dokument zur Verpflegung in den Franckeschen Stiftungen ist die 1702 Francke selbst festgehaltene Speiseordnung. Darin finden sich heute noch gültige Ernährungsregeln wie etwa die sparsame Verwendung von Salz: „Alle Speisen sollen recht gesaltzen und gebührend gewürzet werden; nur aber soll die Köchin zusehen, daß keine Speise zuviel Saltz bekomme, als welches sehr schädlich ist, daher ist es beßer, man saltze etwas zu wenig als zuviel, weil man eher Saltz dazu thun als etwas wieder davon thun kann.“

Speise Ordnung  LESETIPP

August Hermann Francke: Speise=Ordnung im Waysenhauße zu Halle 1702. ISBN 978-3-939922-29-2, S. 12

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9. Türchen

Keine Zeit zum Nichtstun

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Einfach mal gar nichts tun, war den Kindern des Waisenhauses nicht erlaubt. Heute kommt es uns merkwürdig vor, aber damals steckte die moderne Idee dahinter, die Kinder zu fleißigen und tatkräftigen Menschen zu erziehen. Viel Zeit haben sie mit der Reinigung und Ausbesserung ihrer Kleidung verbracht. Die Röcke und Hemden mussten gewaschen, getrocknet und zusammengelegt werden. Auch kleine Reparaturen wurden selbst mit Nadel und Faden ausgeführt. Eine weitere Aufgabe der Waisenkinder war die Herstellung von Strümpfen, die sie vor allem für den Eigenbedarf anfertigten. „Jedoch hat man bishero dießfalls nochnichts besseres gefunden, als daß man einen Strickmeister für die Kinder hält, der sie im Strumpfstricken unterrichtet. […] Im Junio ist der Strickmeister angenommen, und das Reissen, Grempeln, Streichen, Spinnen und Stricken angefangen.“ Häufig halfen die Kinder auch bei den im Waisenhaus anfallenden Arbeiten. Wenn sie gerade nicht in die Schulen gingen, putzten sie in der Küche Gemüse, spülten das benutzte Geschirr oder reinigten den Hof sowie ihre Schlaf- und Wohnräume.

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August Hermann Francke: Segensvolle Fußstapfen. Geschichte und Entstehung der Halleschen Anstalten von August Hermann Francke selbst erzählt. Giessen 1994, S. 161

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8. Türchen

Lesen und Schreiben

08  In allen Schulen des Halleschen Waisenhauses wurde Lesen und Schreiben unterrichtet. Auch Astronomie war ein Pflichtfach, dafür baute Francke den Altan am Waisenhaus, von dem aus sich heute noch ein wunderbarer Blick über die Stadt Halle bietet. Lesen lernten die Kinder zunächst anhand von Buchstabentafeln. Später benutzten sie ABC-Büchlein. Darauf war häufig ein Hahn zu sehen, das Symbol für Tugenden wie Frühaufstehen, Wachsamkeit und Fleiß. Im Halleschen Waisenhaus versuchte man, eine besondere Schönschrift zu entwickeln: die sogenannte Waisenhäuser Hand. Geschrieben wurde in deutscher Schreibschrift, auch Currentschrift genannt. Die Kinder schrieben mit Gänsekielen (-federn), die in einer Federschachtel lagen und ordentlich mit einem Federmesser gespitzt werden mussten. Im Waisenhaus stellte man sogar eine eigene Tinte aus einem Extrakt von Galläpfeln und Eisen- oder Kupfersulfat her.

Kinderbuch 978-3-931479-77-0 LESETIPP

Die Kinder des Waisenhauses in den Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale. Illustriert von Barbara Dimanski. 2. Auflage. Halle 2008, ISBN 978-3-931479-77-0

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7. Türchen

Berühmte Schüler

07  1829 wurde auf dem Hof der Schulstadt ein Denkmal für August Hermann Francke errichtet. Zu seiner linken und rechten schuf der Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777–1857) zwei Kinderfiguren, einen Jungen und ein Mädchen. Die Zahl derer, die seit 1698 ihre Bildungslaufbahn mit den Franckeschen Stiftungen verbinden, ist unbekannt. Viele von ihnen kennen wir aber noch heute. Als Theologen, Historiker, Schriftsteller oder Künstler wurden sie später berühmt. Unter ihnen der Chronist der Stadt Halle, Johann Christoph von Dreyhaupt (1699–1768), der Dichter Gottfried August Bürger (1747–1794), der Gartenarchitekt Hermann von Pückler-Muskau (1785–1871) bis hin zum Sänger Ivan Rebroff (1931–2008). Zu den berühmten Schülern zählt auch Johann Heinrich Schulze (1687–1747). Als Halbwaise war er Anfang des 18. Jahrhunderts in die Deutsche Schule aufgenommen worden. Dank der genauen Beobachtung der Schüler und des durchlässigen Bildungssystems konnte er auf die Lateinschule und später das Königliche Pädagogium wechseln. Er studierte an der Universität in Halle Theologie und Medizin und gilt als einer der letzten Universalgelehrten. Er wird heute sowohl als Begründer der wissenschaftlichen Münzkunde als auch als Entdecker der Lichtempfindlichkeit der Silbersalze, des Vorläufers der Fotografie, geehrt.

AUSFLUGSTIPP
Weltveränderung durch Menschenveränderung. Die Geschichte der Franckeschen Stiftungen
Ausstellung im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen.
Di–So 10–17 Uhr; Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei

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6. Türchen

Die Schulen in Franckes Schulstadt

Schulraum  Franckes Schulen bereiteten auf das Leben vor. An sechs Tagen in der Woche hatten die Kinder 6 bis 8 Stunden Schulunterricht, nur unterbrochen durch Betstunden und das Mittagessen. Die Lehrer waren fortgeschrittene Studenten, meist Theologen. Um sie auf den Unterricht besser vorzubereiten, gründete Francke ein Lehrerbildungsseminar und legte damit den Grundstein für den Lehrerberuf. Die Armenschulen, Deutsche Schulen genannt, hatten regen Zulauf. 1702 besuchten 328 Kinder die Schule, 1709 bereits 944 und 1727 bereits 1.725 Schüler. Sie kamen meist aus Familien von Handwerkern, Bauern oder Angestellten, manche waren Waisenkinder. Die Ausbildung in den Schulen Franckes gab ihnen die Chance, später einen Beruf zu erlernen. Manche schafften es sogar, in die Lateinische Schule aufgenommen zu werden. Der Abschluss war die Voraussetzung für ein Studium an der Universität. Hier lernten sie gemeinsam mit Kindern von Pastoren, Juristen oder Apothekern, die oft aus der Stadt Halle kamen. Kinder aus vermögenden Bürgerfamilien und Adelsfamilien wurden im Königlichen Pädagogium auf ihre spätere Funktion in der Gesellschaft vorbereitet. Für diese kostenpflichtige Schule veröffentlichte Francke 1706 eine „Handleitung zu wohlanständigen Sitten“, die heute einen einzigartigen Einblick in die Ausbildung am Pädagogium erlaubt: „es ist der Zweck derselben/ daß iunge Leute in allen denen äuserlichen Dingen/ da sie es mit andern Menschen/ oder mit Einrichtung ihrer eigenen Geschäft/ mündlich oder schriftlich/ auf Reisen oder sonst zu tun haben/ in ein rechtes Geschick und geziemende Art gebracht werden mögen.“

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Nützliche und nöthige Handleitung zu wohlanständigen Sitten. 2. Auflage. Halle 2013. ISBN 978-3-939922-39-1, S. 7

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5. Türchen

Die Kinder des Waisenhauses

IMG_7102  Schon 1695 hatte August Hermann Francke in seinem Pfarrhaus Kinder unterrichtet, die sonst keine Chance auf eine Schulbildung hatten. Dabei war es ihm sehr wichtig, auch Mädchen zu unterrichten. Jedes Kind, das in Franckes Schulen aufgenommen lernte, wurde in einem sogenannten Matrikelbuch registriert. Hier finden sich Angaben zum Geburtstag, den Eltern, dem Herkunftsort und auch zum Bildungsstand beim Eintritt in die Schulen. Verließ ein Kind Franckes Schulanstalt, wurde kurz der Bildungsgrad bewertet und notiert, was aus dem ehemaligen Schüler geworden ist. Adam Schröpffer zum Beispiel stammte aus Glaucha bei Halle. Er war am 13. August 1694 geboren worden und konnte 1702 bei Eintritt in die Schule nur wenig buchstabieren, nicht lesen oder schreiben. Weiterhin ist nachzulesen, dass er am 18. Juli 1712 die Schule erfolgreich verließ und später Buchbinder geworden war. Auch der erste Sprecher des Repräsentantenhauses der USA und Erstunterzeichner der Bill of Rights, Frederick Augustus Mühlenberg (1750–1801), lernte in Halle. Gottfried August Bürger (1747–1794), der 1760-63 das Königliche Pädagogium besuchte, ist ein Vertreter der vom Halleschen Pietismus geprägten Dichtergeneration aus lutherischen Pfarrhäusern.

AUSFLUGSTIPP
Kraft des Wortes. Kulturgeschichtliche Wirkungen des Pietismus
Ausstellung im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen.
Di–So 10–17 Uhr; Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, bis 18 Jahre Eintritt freiMerkenMerken

4. Türchen

Singen und Beten

04  Der Tag in der Schulstadt August Hermann Franckes begann morgens mit einer Stunde Gesang, Gebet und dem Erklären eines Bibelabschnitts. Dazu versammelte man sich im großen Bet- und Singesaal. Jeden Abend um 20.30 Uhr wurde der Saal wieder für eine gemeinsame Betstunde genutzt, die den arbeitsreichen Tag beschloss. Heute trägt der festliche Raum den Namen Freylinghausen-Saal, benannt nach Johann Anastasius Freylinghausen (1670–1739), dem engsten Mitarbeiter und späteren Schwiegersohn Franckes. Der hatte 1704 ein Gesangbuch herausgebracht, das mit neuen, schwungvollen Liedern zum gemeinsamen Singen einlud. Immer mittwochs und samstags fanden öffentliche Singestunden im großen Saal des Halleschen Waisenhauses statt. Zeitzeugen berichten davon, dass die Fensterscheiben des Saals wackelten, wenn über 1.000 Sänger die lebendigen, tanzenden Melodien aus dem „Geistreichen Gesangbuch“ anstimmten. Viele der heute gängigen Kirchenlieder stammen aus diesem Liederbuch des halleschen Pietisten. Zu den bekanntesten zählt das Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.

Die güldne Sonne_klein LESETIPP

„Die güldne Sonne“. Lieder von Paul Gerhardt in Fassungen des Freylinghausenschen Gesangbuches. Inkl.Beiheft mit Instrumentalstimme. Hrsg. von Wolfgang Miersemann. Halle 2007., ISBN 978-3-931479-94-7

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3. Türchen

Der Waisenvater

Francke-Denkmal  Unermüdlich arbeitete Francke für seine Idee der Verbesserung der Situation aller Menschen. Er schrieb Briefe, sprach mit einflussreichen Menschen, hielt den Kontakt zum preußischen Hof in Berlin und betreute die Gesandten des Halleschen Waisenhauses in aller Welt. Ein besonderes Verhältnis schien er zu Kinder zu haben: „Kinder gewannen schnell Zutrauen zu August Hermann Francke. Das bestätigt eine bisher unbekannte Episode anlässlich des Besuches von Francke bei der preußischen Königin Sophie Dorothea am 31. März 1725. Die kleine Prinzessin Anna Amalia (1723–1787) wollte unbedingt auf Franckes Schoß sitzen. Das wurde schließlich auch gestattet. Francke berichtet darüber: ‚Die kleine Printzeßin aber bliebe auf meinem Schoß sitzen, und schiene zu erst sonderlich mit einiger Verwunderung meine weißen Haare anzusehen, fieng auch an mit meinen Knöpfen am Rock ein wenig zu spielen, desgleichen die sammet Mitze [Mütze] zu streichen, weil die auf dem Schooß bey ihr lag, und gewann fast augenscheinlich immer mehr Liebe und Zuversicht, welches sie nicht nur mit freundlichen Geberden zu erkennen gab [...] Als sie sich noch ein wenig in solcher angenehmen Art bey mir aufgehalten, ward sie mit guter Manier von mir genommen, und mußte ich mich gleichsam von ihr wegstehlen, damit sie nicht wieder anfienge zu schreyen.‘“

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Helmut Obst: Augst Hermann Francke und sein Werk. Halle 2013. ISBN 978-3-447-06903-8

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2. Türchen

  Baumeister, Handwerker und Personal

Adventskalender Zimmermann  Vor dem Bau des Waisenhauses hatte sich Francke umfänglich über die neuesten Sozialbauten für Waisen informiert. Er entsandte 1697 seinen engen Mitarbeiter Georg Heinrich Neubauer (1666–1725) nach Holland, um dort mit einem detaillierten Fragenkatalog Antworten für einen modernen Waisenhausbau in Halle zu finden: „1. Was für eine Situation des Orts hat das gebäu [Gebäude], und warum ist die selbe erwehlet? Ob etwa umb der gesundheit willen? 2. Wie groß ist es, in seiner Länge Breite und Höhe? … 4. … wie haben sie das Licht und Lufft, wie viel Fenster wie d[ie] Ofen, wie groß dieselben?“ Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Schlosser und Glaser errichteten in nur zwei Jahren Bauzeit ein Waisenhaus, das bald weltweite Nachahmung fand. Innovationen der Zeit verbanden sich mit höchster Baukunst. Das Waisenhaus ist mit dem ersten Mansarddach der Region ausgestattet. Nachweislich ist das Holz 1696/97 eingeschlagen und bis 1699 von den Zimmerleuten verbaut worden. Es ist anzunehmen, dass es von Flößern aus Naumburg über die Saale nach Halle gebracht wurde. Strumpfstricker, Gürtler, Buchbinder, Buchdrucker, Schneider oder Seiler sicherten den Alltag im Waisenhaus ab. Licht-, Öl- und Lebensmittelverkäufer sowie Tagelöhner fanden im stetig wachsenden Waisenhaus eine sichere Einnahmequelle.

Neubauers Fragenkatalog LESETIPP

Was bey der Erbauung unseres Waysenhauses zu wissen nöthig sey. Der Fragenkatalog Georg Heinrich Neubauers für die Hollandreise 1697. Halle 2003 (Kleine Texte der Franckeschen Stiftungen, 9), ISBN 3-931479-48-X, S. 7

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1. Türchen

4 Taler 16 Groschen für das Hallesche Waisenhaus

Spendenbüchse1_Ziegler  Mit 4 Talern und 16 Groschen begann August Hermann Francke (1663–1727) sein Lebenswerk: „Die eingehenden Spenden verwendete Francke von dieser ersten Gabe an für soziale und pädagogische Projekte. Seine große Vision einer Weltveränderung durch Menschenveränderung wollte er mit den Mitteln der Bildung und Erziehung verwirklichen.“ Am 13. Juli 1698 legte der lutherische Theologe August Hermann Francke (1663–1727) den Grundstein für das Hallesche Waisenhaus. Mit dieser pietistischen Bildungseinrichtung wollte Francke mit einem modernen Bildungskonzept die Lebenssituation der Menschen verbessern. An einer vielbefahrenen Handelsstraße errichtete er direkt vor den Toren der Stadt Halle das weithin sichtbare, dreistöckige Gebäude mit Sockelgeschoss, Freitreppe und geräumigem zweigeschossigem Mansarddach. Die Grundstruktur der zukünftigen Franckeschen Stiftungen findet sich im Waisenhaus wieder: Ebenerdig lagen Druckerei, Labore und Lager, in der Empfangsetage öffneten Buchhandlung und Apotheke ihre Türen, in den oberen Geschossen waren die Wohn- und Unterrichtsräume der Schüler untergebracht. Das Mansarddach bot bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts im Unterdach den Waisenknaben als Schlafsaal Platz.

Kat 1_Waisenhaus_3Auflage_deutsch LESETIPP

Das Hallesche Waisenhaus. Die Franckeschen Stiftungen mit ihren Sehenswürdigkeiten. Hrsg. von Thomas Müller-Bahlke. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Halle 2015. ISBN 978-3-447-10257-5

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