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Beschreibung

Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) – Europa entdeckt Sibirien.

Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) – Europa entdeckt Sibirien.
Die Erforschung Sibiriens seit dem frühen 18. Jahrhundert und die Bedeutung für die europäische Wissenswelt
20 Jahre "Deutsch-Russische Begegnungen" in Halle

Internationale, interdisziplinäre Tagung der Franckeschen Stiftungen zu Halle und der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V. in Kooperation mit dem Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) und der Arbeitsgruppe Geoökologie des Instituts für Geowissenschaften und Geographie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

TAGUNGSPROGRAMM

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der „Deutsch-Russischen Begegnungen“ laden die Franckeschen Stiftungen gemeinsam mit der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V. vom 12.-16. November 2014 zu einer Jubiläumstagung nach Halle ein. Im Mittelpunkt wird der Wissenschaftler, Sibirienreisende und Lutheraner Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735) stehen, dessen Lebenswerk im frühen 18. Jahrhundert exemplarisch für die engen kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen der Franckeschen Stiftungen und der Friedrichs-Universität in Halle mit Russland steht. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit markiert Messerschmidt den Beginn der Reihe von Pionieren, die Anfang des 18. Jahrhunderts dank der Öffnung Russlands gen Westen durch Peter den Großen die günstigen hallisch-russischen Beziehungen für ihr Lebenswerk fruchtbar machten und das Wissen über Russland und Sibirien in Europa systematisch vermehrten. Zu den bekanntesten Sibirienforschern aus Halle zählt Georg Wilhelm Steller (1709-1746), dessen Werk und Wirken die „Deutsch-Russischen Begegnungen“ als internationale Tagungsreihe 1994 begründete.

Der Danziger Daniel Gottlieb Messerschmidt studierte ab dem 22. Juni 1708 in Halle. Hier hatte August Hermann Francke (1663-1727) sich von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) für Russland begeistern lassen und sein stabiles Netzwerk, das Politiker, Wissenschaftler, Unterstützer, Freunde und Gönner einschloss, kontinuierlich nach Osten erweitert. Heinrich Wilhelm Ludolf (1655-1712), der 1698 auf Einladung Franckes den ersten akademischen Russischunterricht in Halle gab, nahm eine Schlüsselstellung in diesem Netzwerk ein. Informationen zu entlegenen Weltregionen konnten so von Halle aus zeitnah in die europäische Wissenswelt eingespeist werden.

Die Schulstadt August Hermann Franckes war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eng mit den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen der Friedrichs-Universität verzahnt. Studenten der Universität sammelten in Franckes Anstalten als Informatoren (Lehrer) ihre ersten praktischen Berufserfahrungen, die sie oftmals im Ausland anwendeten und damit zu Multiplikatoren der Reformen des Halleschen Pietismus weltweit wurden. Dazu zählen die konsequente Fokussierung auf das Individuum, die Etablierung einer persönlichen, eine auf aufmerksamer Beobachtung basierende Schreib- und Tagebuchkultur, das Objekt im Mittelpunkt des Lernens und die studienbegleitende praxisbezogene Ausbildung. Zu der Reihe dieser Informatoren gehörte auch Messerschmidt. In Sibirien suchte er den Kontakt zu den vom Halleschen Pietismus beeinflussten schwedischen Kriegsgefangenen in Tobolsk und arbeitete eng mit dem schwedischen Offizier und Kartographen Philip Johan von Strahlenberg (1676-1746) zusammen. Zu seinen Lebzeiten war Messerschmidt die Veröffentlichung seiner Arbeiten verwehrt. Vielfach wurden seine Aufzeichnungen aber von späteren Sibirienforschern verwendet. Die konkrete Rezeptionsgeschichte kann erst rekonstruiert werden, wenn sein Nachlass, dessen großer Teil im Archiv der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg aufbewahrt wird, gehoben wird.
Somit hat die Jubiläumstagung das Ziel, die Ergebnisse der interdisziplinären Forschungen zur Geschichte der Entdeckung Sibiriens zusammenzuführen, und diese in die Arbeiten zum internationalen Netzwerk August Hermann Franckes einzubinden. Im Rahmen der Tagung soll auf unbekannte Quellen aus dem frühen 18. Jahrhundert aufmerksam gemacht werden, Forschungseinrichtungen sollen vernetzt und Themen für die Zukunft angeregt werden.

Für die Tagung stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:
Welche Bedeutung hatten der Hallesche Pietismus August Hermann Franckes und die Friedrichs-Universität für das europäische Russlandbild im 18. Jahrhundert? Was waren die Medien und Wege des Informationstransfers (Mittlerpersönlichkeiten; Netzwerke (nationale, wissenschaftliche, religiöse) in den Metropolen St. Petersburg und Moskau; Mediengeschichte: Übersetzungen, Drucke, Buchhandel)
Wie weit reichte die Spannweite der ersten wissenschaftlichen Erkundungen Sibiriens durch Daniel Gottlieb Messerschmidt, welche Bedeutung hatten diese Forschungsergebnisse für Georg Wilhelm Steller und wie sind sie in die Wissenschaftsgeschichte einzuordnen? (Situation und Umfang des Nachlasses; Wirkungsgeschichte; Messerschmidt in Arbeiten Dritter)

Welchen Einfluss hatten die nach Sibirien reisenden Forscher auf die Entwicklung der natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen im Europa der Frühen Neuzeit? (Forschungsergebnisse im Bereich Ethnologie, Biologie, Zoologie, Medizin, Linguistik (Auswahl) und ihre Rezeption; Impulse für die europäische Wissenschaftsgeschichte des frühen 18. Jahrhunderts; Netzwerke - Wissenschaftskontakte; Persönlichkeiten)

Welche Rolle spielten die mit August Hermann Francke im regen Briefwechsel stehenden schwedischen Kriegsgefangenen für die Verbreitung des Wissens über Russland und Sibirien in Europa? (Persönlichkeiten; Wirkungskreise nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft)
Welche Arbeitsfelder ergeben sich für die Zukunft aus den vergangenen 20 Jahren lebendigen Wissenschaftsaustauschs zwischen Halle und Russland (jährliche Tagungen, Ausstellungen, Edition „Sibirica“). Wie lassen sich diese wissenschaftlichen und kulturellen Traditionen in der Zukunft zu verstetigen?

Daten zur Veranstaltung

Einrichtung: Studienzentrum August Hermann Francke - Archiv und Bibliothek - | zur Einrichtung
Termin: 12.11.2014 bis 16.11.2014
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Ort: Haus 1 - Historisches Waisenhaus (Franckeplatz 1, Haus 1, 06110 Halle (Saale)) | im interaktiven Lageplan anzeigen
Art der Veranstaltung: Tagung

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